Seit langem wird diskutiert, wie das Verkehrsproblem am Talausgang, welches vor allem an An- und Abreisesamstagen im Winter besteht, gelöst werden kann. Schon eine gefühlte Ewigkeit wird über eine Umfahrung für das verkehrsge­plagte Lorüns, der ersten Ortschaft nach der Autobahnabfahrt, diskutiert, ohne dass man sich bisher auf eine tragfähige Lösung geeinigt hätte. Viele halten die Realisierung für insgesamt fraglich, auf der Webseite des Landes Vorarlberg wird dagegen mit einem Baubeginn ab 2021 kalkuliert. Statt des Zuschusses für eine Straße soll nun mit einem weiteren Ansatz versucht werden, eine Lösung zu finden und Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Dazu soll die Montafonerbahn, eine Privatbahn, welche mehrheitlich dem Stand Montafon gehört, verlängert werden. Die derzeit betriebene Bahnstrecke von Bludenz nach Schruns ist rund 13 km lang und befördert ca. zwei Mill. Fahrgäste im Jahr.

Nach bisherigen Plänen sollte sich die Bahn vor dem Bahnhof Tschagguns teilen. Die bestehende Bahn bleibt und bedient weiterhin als Sackgasse Schruns und den dortigen Busbahnhof. Die Züge würden also von Bludenz kommend abwechselnd nach Schruns und St. Gallenkirch fahren. Wie sich das auf Schruns auswirkt, das bisherige Zentrum des Montafon, ist offen.

Die Schrunser lehnen die geteilte Lösung ab, daher gibt es mittlerweile weitere Pläne, welche eine Fortführung der Bahn vom Bahnhof Schruns teilweise unterirdisch nach St. Gallenkirch vorsehen. Der neue Teil soll im Falle der Tunnelvariante zwei Haltestellen erhalten: ­Zamangbahn und Valiserabahn/Grasjochbahn. Es besteht also unmittelbar Anschluss an die Bergbahnen der Silvretta Montafon, das größte Skigebiet im ­Montafon und eines der größten in Österreich. Die geteilte Lösung würde ferner eine Station beim Aktivpark Montafon ermöglichen.

Seit dem Statement der Bürgermeister für einen Plan Montafon 2030 wird sogar diskutiert, die Trasse bis Partenen zu verlängern und alle Bergbahntalstationen so anzubinden. Der neue Teil in die Innerfratte soll ungefähr wie die früher bestehende Schmalspurbahn verlaufen. Denn zum Bau der Stauseeanlagen wurde eine Schmalspurbahn errichtet, die von Tschagguns (Umladestation, direkt rechts an der Landesstraße nach der heutigen Ampelkreuzung) über St. Gallenkirch und Gaschurn nach Partenen führte. Leider wurde diese 1954 abgerissen. Auf der Trasse befindet sich heute ein Radweg, außerdem die Straßenumgehung von ­Gaschurn. Aus dem Grund ist eine Weiterführung der Trasse über St. Gallenkirch hinaus ein eher schwieriges und teures Unterfangen.

Die neue geplante Verbindung der Montafonerbahn führt bis St. Gallenkirch.

Die Planer rechnen damit, dass die Betriebskosten der Bahn sich durch die Verlängerung im Gegensatz zum heutigen Verkehr zwischen Bludenz und Schruns nur wenig erhöhen würden. Die Errichtungskosten sind in dem eher flachen Gelände mit rund 100 Millionen Euro für eine Bahntrasse und die geteilte Variante nicht zu teuer. Die teilweise unterirdische Variante durch Schruns schlägt allerdings schon mit 150-200 Millionen Euro zu buche. Für die Partenen-Variante liegen die Kosten allerdings zwischen 300 und 500 Millionen Euro. Obwohl bei solchen Bahnneubauten mit erheblichen Förderungen von Land und Bund (90%) zu rechnen ist, stellt sich für viele Montafoner die Frage, ob das – für das Tal abstrakt viele – Geld im Montafon nicht anderweitig sinnvoller einzusetzen wäre. So sind z. B. für die Umfahrung Lorüns ungefähr 45 Millionen Euro Baukosten veranschlagt.

Vor dem Hintergrund wagen wir einen Blick in die Glaskugel: Ist das System Schiene überhaupt noch zeitgemäß? Wenn das autonome Fahren mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen in 10-15 Jahren perfektioniert wird für Landstraße und Autobahn, wird das nicht dazu führen, dass die selbst fahrenden Autos weniger Unfälle verursachen als die menschlichen Fahrer? Und in der Konsequenz das Selbstfahren zurückgeht oder es der Gesetzgeber sogar irgendwann verbietet? Also jeder in seinem eigenen „Stromzug“ – egal ob eigenes oder gemietetes Fahrzeug oder Elektrofernbus – sitzt, der via Induktion auf der Straße geladen und autonom gesteuert wird zum Ziel GRASJOCHBAHN TALSTATION nach den Eingaben des Fahrers?

Wozu braucht es dann noch ein unglaublich teures Bahnsystem und eine Bahnverlängerung im Montafon? Sollte das Geld nicht lieber in Strominfrastruktur für Elektroautos investiert und das Tal als Vorreiter in Sachen Elektromobilität positioniert werden mit seinem Strommix, der heute schon zu 90 % aus Ökostrom besteht? Würde das nicht eher die von Montafon Tourismus definierte Zielgruppe ansprechen als eine verlängerte Eisenbahn? Wie wäre denn für die Übergangszeit ein marketingmäßig geschickt in Szene gesetzter Elektrobus vom Bahnhof Schruns nach St. Gallenkirch und weiter nach Gaschurn-Partenen?