Organisation  und Regionalbericht 2020

Das Montafon besteht aus 10 selbstständigen Gemeinden. Die Gemeinden haben mit dem Stand Montafon bereits Anfang des 19. Jahrhunderts eine Talschaftsorganisation gegründet und waren damit Pioniere der überörtlichen Zusammenarbeit von Gemeinden.

Der „Stand“, wie er von den Montafonern genannt wird, ist eine sehr wichtige politische und verwaltungstechnische Einrichtung. Wenn man bedenkt, dass das gesamte Montafon ca. 16.500 Einwohner hat, könnte man sich auch vorstellen, dass das Montafon nur aus einer Gemeinde besteht anstatt aus 10.

Der Stand stellt damit das Bindeglied zwischen den Gemeinden des Tales dar. Das ist häufig nicht ganz einfach, ist die rechtliche Einordnung des Standes heute noch schwierig und es gibt zum einen keine direkte demokratische Legitimation für den Stand, zum anderen wird der „politische schwarze Peter“ ab und an zwischen den Gemeinden und dem Stand hin- und hergeschoben.

Die Finanzierung des Standes erfolgt mit 1,2 Mio Euro über die Gemeinden, dazu kommen Förderungen von Land, Bund und EU sowie eigene Einnahmen.  Das Gesamtbudget von rund 2,1 Mio Euro wird laut Regionalbericht vor allem für Förderungen durch den Stand (820.000 Euro) ausgegeben, Personalausgaben schlagen mit 430.000 Euro zu buche und für Projekte in den Bereichen Jugend, Familie, Kultur und Regionalentwicklung sind 500.000 Euro ausgegeben worden.

Dazu kommen die Ausgaben aus der “Standesumlage” von 800.000 Euro, welche direkt von den Gemeinden nach einem Bevölkerungsschlüssel aufgebracht wird. Damit zahlen die Gemeinden insgesamt 2 Mio. Euro in den Stand Montafon ein. Dazu kommen aber die im Regionalbericht nicht näher bezifferten Umlagen für Landbus, das Taxi go & ko und die Bibliothek. Außerdem Umlagen für z.B. Forstfonds und ARA Montofon, die nicht direkt zum Stand Montafon gehören, sondern eigene Rechtspersonen sind. Für die Standesverwaltung werden von der Standesumlage 330.000 Euro verwendet, die Museen kosten 260.000 Euro und die Montafoner Resonanzen wurden mit 64.000 Euro bezuschusst. Diese Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2019 und sind dem Regionalbericht Stand Montafon vom Juli 2020 entnommen.

Im Bild: Die Standesvertretung mit den den Bürgermeistern der Standesgemeinden. (Bilder: Stand Montafon / Toni Meznar, Bilder der vier Museen: Manfred Schlatter)
Vertreten wird der Stand vom Standesrepräsentanten. Dies ist regelmäßig ein Bürgermeister des Tals, derzeit der Bürgermeister von Tschagguns, Herbert Bitschnau. Geleitet wird der Stand vom Standes-Ausschuss, der aus allen Bürgermeistern des Tales besteht, derzeit ­demnach aus:

  • Matthias Luger, Stallehr
  • Lothar Ladner, Lorüns
  • Raimund Schuler, St. Anton
  • Florian Küng, Vandans
  • Martin Vallaster, Bartholomäberg
  • Jürgen Kuster, Schruns
  • Herbert Bitschnau, Tschagguns
  • Thomas Zudrell, Silbertal
  • Josef Lechtaler, St. Gallenkirch
  • Martin Netzer, Gaschurn

Der hauptamtliche Verwaltungschef des Standes Montafon ist Bernhard Maier, dessen weitgefasster und verantwortungsvoller Aufgabenbereich mit dem Titel „Standessekretär“ tiefstapelnd beschrieben wird.

Zentrale Aufgabengebiete des Standes sollen hier kurz beleuchtet werden, da es für Einheimische wie Gäste immer schwer ist, sich ein Bild von den Aufgaben und dem Zweck des Standes zu machen.

Bei der über 100 Jahre alten Montafonerbahn AG (MBS) ist Mehrheitseigentümer der Stand Montafon und damit ist er auch für den Regionalverkehr im Tal verantwortlich.
Der Stand Montafon betreibt auch die Bibliothek Montafon, die rund 80.000 Entleihungen im Jahr 2017 verzeichnet hat.
Der Stand Montafon Forstfonds ist vom Stand Montafon zu unterscheiden, er ist ein eigenes rechtliches Gebilde und war früher bedeutender als der politische Stand Montafon. So finden erst seit 1965 auch getrennte Sitzungen des Forstfonds und des Standes statt. Er bewirtschaftet die hoch liegenden Wälder (ab ca. 1200 m) und besteht aus 8 Gemeinden, und zwar aus allen Standesgemeinden außer Stallehr und Lorüns. Er verwaltet 8860 ha Grund- und Waldflächen und ist damit größter Waldbesitzer in Vorarlberg. Die Standesbürger im Montafon haben ein Holzbezugsrecht aus den Standeswaldungen, wobei dieses heute wirtschaftlich aufgrund der vom Forstfonds aufgerufenen Preise keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat.

Dem Rechenschaftsbericht lässt sich entnehmen, dass der Forstfond nur noch rund 1,0 Mio Euro mit Holzverkäufen erlöst hat in 2019 – dabei allerdings einen Personalaufwand für eigene Mitarbeiter und zugekaufte Personalleistungen von 2,4 Mio Euro (und damit mehr als 2017 und 2018) gegenüberzustellen sind. Die Holzgewinnung im Gebirge ist durch speziell zu errichtende Holzseilbahnen und Weganlagen häufig sehr aufwendig, was sich in den Kosten widerspiegelt. Außerdem sind die Holzpreise auf einem Tiefststand und die Schadholzaufarbeitung bindet viel Kapazitäten. Nur mit Fördermitteln von Land, Bund und EU und dem Beitrag der Gemeinden von über 1 Mio Euro erreicht der Forstfonds 2019 ein fast ausgeglichenes Ergebnis.

Der Stand Montafon finanziert einen Teil des Personals und des Betriebes der Montafoner Museen. Er ist auch Eigentümer des Museumsgebäudes in Schruns. Der Betrieb der Museen wird über den 100 Jahre alten Heimatschutzverein Montafon (Verein zur Förderung der Bildung, Kultur und Heimatpflege) organisiert. Im Jahr 2019 besuchten nur noch rund 18.500 Menschen (20.000 in 2017) die Museen und deren Veranstaltungen.

Der Stand verwaltet den seit 1993 bestehenden und mehrere Millionen Euro schweren Talschafts- und Ausgleichsfonds des Tales, der vor allem aus Geldern der Illwerke gespeist wurde und wird. Die finanziellen Mittel des Fonds werden nur nach sorgfältiger Prüfung und einstimmiger Beschlussfassung für talschaftsweite Angelegenheiten verwendet. Leider sind sich die Bürgermeister selten einig, zu welchen Zwecken das Geld verwendet werden soll.

Der Stand Montafon betreibt außerdem seit über 10 Jahren die Silbertaler Waldschule, die von Schulklassen genauso genutzt wird wie für Familienführungen, Fachexkursionen und bei der Jungjägerausbildung. Neben dem Standort am Kristbergsattel hat die Waldschule mittlerweile eine Außenstelle am Borgkopf. Die Waldschule will das Verständnis für den Wald und die Zusammenhänge in der Natur fördern. Infos: www.silbertaler-waldschule.at

Beim Stand Montafon ist auch der Prozess Raumentwicklung Montafon angesiedelt, in welchem Projekte zu den Themen Raumplanung des Tales, Zukunft der Maisäßgebiete, Mobilität und Bahnverlängerung betrieben werden. Vor einigen Jahren wurde ein Kulturlandschaftsinventar erstellt, das die Gebäude des Maisäß- und Alpgebietes umfasst. Informationen zur Montafoner Kulturlandschaft und der 3-Stufen-Landwirtschaft finden sich hier.

Der ehemalige Standesrepräsentant Rudi Lerch (Mitte) mit dem derzeitigen Standesrepräsentanten  Herbert Bitschnau (links) und dessen Stellvertreter Martin Netzer (rechts).
Bei der über 100 Jahre alten Montafonerbahn AG (MBS) ist Mehrheitseigentümer der Stand Montafon und damit ist er auch für den Regionalverkehr im Tal verantwortlich. Die Montafonerbahn befördert auf ihrer Zugstrecke immerhin über 2 Millionen Passagiere pro Jahr. Darüber hinaus gibt es mit dem Landbus Montafon ein in alle Ecken des Tales reichendes Bussystem, welches rund 4 Mio Euro pro Jahr kostet. Davon werden knapp die Hälfe über Fahrkarten eingespielt, den Rest bestreitet die öffentliche Hand. Die MBS betreibt außerdem ein Elektro- und Sanitärfachgeschäft in Schruns und bietet Sanitär- und Elektroinstallationen an.

Auch die Jugendarbeit und Projekte für ein familienfreundliches Montafon gehören zu den Tätigkeitsgebieten des Standes. Dazu gehören die Kinderbetreuung ebenso wie ein Spiel- und Freiraumkonzept, auch wenn das Thema Kinderbetreuung nach wir vor nicht zur Zufriedenheit aller Mütter im Tal gelöst ist. Für die offene Jugendarbeit wird im Grütweg das Jugendzentrum JAM betrieben, außerdem ist ein Bus als mobiles Wohnzimmer im Einsatz und es wurde 2017 das Jugendforum Montafon gegründet, das sich für die Interessen der jungen Generation einsetzen soll. Im Stand ist die Jugendkoordination angesiedelt, die u.a. EU-Leader-Projekte mit Inhalten zur Jugendarbeit betreibt.

Der Stand Montafon betreibt auch die Bibliothek Montafon, die im Jahr 2018 über 16.000 Medien zum Ausleihen angeboten hat.

Die Musikschule Montafon hat 2019 über 700 Musikschüler in 25 verschiedenen Instrumentenfächern betreut.

Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden über den Abwasserverband ist die Kläranlage ARA Montafon, welche 2019 knapp 2 Mio Euro für die Abwasserreinigung ausgab.