Organisation  und Regionalbericht 2018

Das Montafon besteht aus 10 selbstständigen Gemeinden. Die Gemeinden haben mit dem Stand Montafon bereits Anfang des 19. Jahrhunderts eine Talschaftsorganisation gegründet. Der „Stand“, wie er von den Montafonern genannt wird, ist eine sehr wichtige politische und verwaltungstechnische Einrichtung. Wenn man bedenkt, dass das gesamte Montafon ca. 16.500 Einwohner hat, könnte man sich auch vorstellen, dass das Montafon nur aus einer Gemeinde besteht anstatt aus 10.

Der Stand stellt damit das Bindeglied zwischen den Gemeinden des Tales dar. Das ist häufig nicht ganz einfach, gibt es zum einen keine direkte demokratische Legitimation für den Stand, zum anderen wird der „politische schwarze Peter“ ab und an zwischen den Gemeinden und dem Stand hin- und hergeschoben.

Die Finanzierung des Standes erfolgt mit 1,2 Mio Euro über die Gemeinden und sonstige Förderungen, dazu kommen Förderungen von Land, Bund und EU sowie eigene Einnahmen.  Das Gesamtbudget von rund 2,1 Mio Euro wird laut Regionalbericht vor allem für Honorare (?) Raumentwicklung Montafon, Projekte (?) und Personal, aber auch für Förderungen durch den Stand (starker Rückgang zu 2017 auf 460.000 Euro) ausgegeben. Diese Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2018 und sind dem Regionalbericht Stand Montafon vom September 2019 entnommen.

Im Bild: Die Standesvertretung mit den den Bürgermeistern der Standesgemeinden. (Bilder: Stand Montafon / Toni Meznar, Bilder der vier Museen: Manfred Schlatter)

Vertreten wird der Stand vom Standesrepräsentanten. Dies ist regelmäßig ein Bürgermeister des Tals, derzeit der Bürgermeister von Tschagguns, Herbert Bitschnau. Geleitet wird der Stand vom Standes-Ausschuss, der aus allen Bürgermeistern des Tales besteht, derzeit ­demnach aus:

  • Matthias Luger, Stallehr
  • Lothar Ladner, Lorüns
  • Raimund Schuler, St. Anton
  • Burkhard Wachter, Vandans
  • Martin Vallaster, Bartholomäberg
  • Jürgen Kuster, Schruns
  • Herbert Bitschnau, Tschagguns
  • Thomas Zudrell, Silbertal
  • Josef Lechtaler, St. Gallenkirch
  • Martin Netzer, Gaschurn

Der hauptamtliche Verwaltungschef des Standes Montafon ist Bernhard Maier, dessen weitgefasster und verantwortungsvoller Aufgabenbereich mit dem Titel „Standessekretär“ tiefstapelnd beschrieben wird.

Zentrale Aufgabengebiete des Standes sollen hier kurz beleuchtet werden, da es für Einheimische wie Gäste immer schwer ist, sich ein Bild von den Aufgaben und dem Zweck des Standes zu machen. 

Bei der über 100 Jahre alten Montafonerbahn AG (MBS) ist Mehrheitseigentümer der Stand Montafon und damit ist er auch für den Regionalverkehr im Tal verantwortlich.
Der Stand Montafon betreibt auch die Bibliothek Montafon, die rund 80.000 Entleihungen im Jahr 2017 verzeichnet hat.

Der Stand Montafon Forstfonds bewirtschaftet die hoch liegenden Wälder (ab ca. 1200 m) und besteht aus 8 Gemeinden, und zwar aus allen Standesgemeinden außer Stallehr und Lorüns. Er verwaltet 8860 ha Grund- und Waldflächen und ist damit größter Waldbesitzer in Vorarlberg. Dem Rechenschaftsbericht lässt sich entnehmen, dass der Forstfond rund 1,5 Mio Euro mit Holzverkäufen erlöst hat in 2018 – dabei allerdings einen Personalaufwand für eigene Mitarbeiter und zugekaufte Personalleistungen von 2,3 Mio Euro (und damit noch mehr als 2017) gegenüberzustellen sind. Die Holzgewinnung im Gebirge ist durch speziell zu errichtende Holzseilbahnen und Weganlagen häufig sehr aufwendig, was sich in den Kosten widerspiegelt. Nur mit Fördermitteln von Land, Bund und EU von über 800.000 Euro erreicht der Forstfonds 2018 eine ausgeglichenes Ergebnis.

Der Stand Montafon finanziert einen Teil des Personals und des Betriebes der Montafoner Museen. Er ist auch Eigentümer des Museumsgebäudes in Schruns. Der Betrieb der Museen wird über den 100 Jahre alten Heimatschutzverein Montafon (Verein zur Förderung der Bildung, Kultur und Heimatpflege) organisiert. Im Jahr 2017 besuchten über 20.000 Menschen die Museen und deren Veranstaltungen.

Der Stand verwaltet den seit 1993 bestehenden und mehrere Millionen Euro schweren Talschafts- und Ausgleichsfonds des Tales, der vor allem aus Geldern der Illwerke gespeist wurde und wird. Die finanziellen Mittel des Fonds werden nur nach sorgfältiger Prüfung und einstimmiger Beschlussfassung für talschaftsweite Angelegenheiten verwendet. Leider sind sich die Bürgermeister selten einig, zu welchen Zwecken das Geld verwendet werden soll.

Der Stand Montafon betreibt außerdem seit über 10 Jahren die Silbertaler Waldschule, die von Schulklassen genauso genutzt wird wie für Familienführungen, Fachexkursionen und bei der Jungjägerausbildung. Neben dem Standort am Kristbergsattel hat die Waldschule mittlerweile eine Außenstelle am Borgkopf. Die Waldschule will das Verständnis für den Wald und die Zusammenhänge in der Natur fördern. Infos: www.silbertaler-waldschule.at

Beim Stand Montafon ist auch der Prozess Raumentwicklung Montafon angesiedelt, in welchem Projekte zu den Themen Raumplanung des Tales, Zukunft der Maisäßgebiete, Mobilität und Bahnverlängerung betrieben werden. Vor einigen Jahren wurde ein Kulturlandschaftsinventar erstellt, das die Gebäude des Maisäß- und Alpgebietes umfasst. Informationen zur Montafoner Kulturlandschaft und der 3-Stufen-Landwirtschaft finden sich hier.

Der ehemalige Standesrepräsentant Rudi Lerch (Mitte) mit dem derzeitigen Standesrepräsentanten  Herbert Bitschnau (links) und dessen Stellvertreter Martin Netzer (rechts).

Bei der über 100 Jahre alten Montafonerbahn AG (MBS) ist Mehrheitseigentümer der Stand Montafon und damit ist er auch für den Regionalverkehr im Tal verantwortlich. Die Montafonerbahn befördert auf ihrer Zugstrecke immerhin über 2 Millionen Passagiere pro Jahr. Darüber hinaus gibt es mit dem Landbus Montafon ein in alle Ecken des Tales reichendes Bussystem, welches rund 4 Mio Euro pro Jahr kostet. Davon werden knapp die Hälfe über Fahrkarten eingespielt, den Rest bestreitet die öffentliche Hand. Die MBS betreibt außerdem ein Elektro- und Sanitärfachgeschäft in Schruns und bietet Sanitär- und Elektroinstallationen an.

Auch die Jugendarbeit und Projekte für ein familienfreundliches Montafon gehören zu den Tätigkeitsgebieten des Standes. Dazu gehören die Kinderbetreuung ebenso wie ein Spiel- und Freiraumkonzept, auch wenn das Thema Kinderbetreuung nach wir vor nicht zur Zufriedenheit aller Mütter im Tal gelöst ist. Für die offene Jugendarbeit wird im Grütweg das Jugendzentrum JAM betrieben, außerdem ist ein Bus als mobiles Wohnzimmer im Einsatz und es wurde 2017 das Jugendforum Montafon gegründet, das sich für die Interessen der jungen Generation einsetzen soll. Im Stand ist die Jugendkoordination angesiedelt, die u.a. EU-Leader-Projekte mit Inhalten zur Jugendarbeit betreibt.

Der Stand Montafon betreibt auch die Bibliothek Montafon, die im Jahr 2018 über 16.000 Medien zum Ausleihen angeboten hat. 

Die Musikschule Montafon hat 2018 über 600 Musikschüler in 25 verschiedenen Instrumentenfächern betreut. 

Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden über den Abwasserverband ist die Kläranlage ARA Montafon, welche 2018 rund 2 Mio Euro für die Abwasserreinigung ausgab.