Projekt #Montafon2030 

Am 14.5.2019 haben alle Bürgermeister des Tals auf der Standessitzung den Start des Projekts #Montafon2030 beschlossen. Das Tal soll dadurch für die Bewohner lebenswert bleiben und die Abwanderung gerade jüngerer Leute soll gestoppt werden. Die zwei großen Themen, die in einer Pressekonferenz erläutert wurden, sind bessere Kinderbetreuung im ganzen Tal durch gemeindeübergreifende Angebote und die Verlängerung der Montafoner Bahn bis nach Gaschurn-Partenen. Mobilität und Verkehrsinfrastruktur sind sicher zentral wichtige Themen für das Tourismustal. Ob die Lösung nun eine Technik aus dem 19. Jahrhundert ist, deren Realisierung allein bis St. Gallenkirch 200-300 Mio (!) Euro kosten würde, darf vor dem Hintergrund moderner Mobilitätskonzepte sicher kritisch hinterfragt werden. Angebote für Kinder sind sicher auch wichtig, vor allem, wenn man jungen Familien einen Anreiz geben will, sich im Montafon niederzulassen. 

Das wird aber nicht ausreichen an Themenstellungen. Zentral ist doch die Frage: Wie stellt sich das Tal den Tourismus 2030 in Bezug zur Wohnqualität für die Einwohner und den Schutz von Natur und Kulturlandschaft vor? Wo soll es hingehen, was sind die Ziele für die Tourismusentwicklung? Rein quantitatives Wachstum, lieber qualitatives Wachstum oder überhaupt kein Wachstum, weil das Tal noch mehr Tourismus nicht verträgt?

Ein ganz wichtiger Punkt müsste auch die politische Struktur des Tales sein, denn an der Schwierigkeit, bei rund 16.000 Einwohnern mit 10 Gemeinden, damit 10 Bürgermeistern und einem Stand Montafon klare Meinungen zu entwickeln und schnelle Entscheidungen zu treffen, scheitern zu viele Projekte im Tal.

Die Ideen der Muntafuner Fee dazu wollen wir Euch nicht vorenthalten. Diese sind auch schon älter als das #Montafon2030-Projekt. 😉 

Vision der Muntafuner Fee 

Wenn ich in meine Glaskugel blicke und eine sehr große Portion Optimismus dazugebe, sehe ich im Montafon 2030 folgendes:

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  • Nach langen Kämpfen und Verhandlungen ist es aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, der Vernunft einiger Beteiligten, die das Wohl des Tals über das eigene Macht- und Karrierestreben gestellt haben gelungen, die Montafoner Gemeinden mit dem Stand Montafon zur Gemeinde Montafon zusammenzulegen. Damit können Entscheidungen für das Tal deutlich schneller getroffen werden, es werden weniger Gremien benötigt und viele früher nötige Abstimmungsrunden sind unnötig geworden.
  • Folgerichtig gibt es nur noch zwei große Bauhöfe, einen im Innermontafon und einen im Außermontafon. Es ist völlig sinnfrei, dass jede Gemeinde einen eigenen teuren Bau- und Recyclinghof unterhält. So ist der Betrieb deutlich günstiger und die Bürger profitieren von täglich langen Öffnungs- und Servicezeiten. Auf die Bauhöfe kann ALLER Müll gebracht werden, es gibt keine Straßensammlung mehr. Auch die “Containerdörfer” für Müll sind abgeschafft. Wer seinen Müll nicht selbst zu  den Sammelstellen bringen kann, stellt einen Antrag bei der Gemeinde und diese erledigt das für kranke oder immobile Bürger. Dennoch sind dadurch große Beträge an Steuergeldern eingespart worden.
  • Daneben hat die Zusammenlegung auch erhebliche Auswirkungen auf die immensen Kosten der Feuerwehren im Tal. Neben der exzellent aufgestellten und ausgestatteten Hauptstelle im Schrunser Feld mit direkter Zufahrt sowohl in den Ort als auch an die Landesstraße gibt es noch eine Außenstelle im Bereich Gortipohl. Die Zentralstelle ist mit einer Aufklärungsdrohne ausgestattet, die bei Einsätzen die Vorabklärung auch in schwierigem Gelände ermöglicht. Der seit 5 Jahren im Einsatz befindliche Vorarlberger Feuerwehrhubschrauber ist im Walgau stationiert und wird bei entsprechenden Einsatzlagen gerade in schwierigem Gebiet zur Verstärkung eingebunden.
  • Die Bergbahnen haben sich neu aufgestellt. Gargellen gehört jetzt zur Silvretta Montafon und die Verbindungsbahn vom Gebiet Nova nach Gargellen hat die SiMo seit Jahren errichtet, ebenso den direkten Zubringer vom Silbertal/Kristbergbahn ans Hochjoch. Der Kristberg hat seine beiden alten Schlepplifte schon lange abgebaut und profitiert vom Trend zu Winterwandern, Schneeschuhwandern, Tourenski gehen etc. Er hat sich dazu einen guten Ruf in der Zielgruppe geschaffen. Gargellen selbst hat erheblich von der Verbindungsbahn zu den Skigebieten im Prättigau/Schweiz profitiert, welche sich durch die Finanzkraft der SiMo hat realisieren lassen. Das Skigebiet Golm gibt es so nicht mehr, es ist zum reinen Winternatur- und Sommererlebnisraum mit angeschlossenem Naturpark ohne Skifahren weiterentwickelt worden, was bei Gästen und Einheimischen großen Anklang findet.
  • Die Gästetaxe ist endlich fair gestaltet und beträgt 3% vom Nächtigungspreis. Damit werden die Gäste nicht mehr “pro Kopf” besteuert, sondern nach Umsatz. Es ist den Gemeinden und dem Finanzamt auch endlich gelungen, den “Schwarzvermietern” das Handwerk zu legen und so wieder Chancengleichheit für alle Vermieter herzustellen.
  • Außerdem wird die Tourismusabgabe nicht mehr an den Sitz des Unternehmens geknüpft als Auslöser für die Abgabe, vielmehr werden die Rechnungen besteuert, welche als Empfänger einen Adressaten in einer Tourismusdestination wie dem Montafon ausweisen. Damit sind auch Tourismusprofiteure außerhalb des Tals der Abgabe unterworfen und einheimische Betriebe profitieren vom Wegfallen der Tourismusabgabe, wenn sie in nichttouristische Gebiete liefern.
  • Für Tagesgäste ist vor Jahren ebenfalls eine Gästetaxe eingeführt worden. Diese wird pro Kopf fällig und beträgt 5 Euro. Wer mit dem Zug anreist, ist davon befreit. Für jedes Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor wird außerdem eine Umwelt-CO²-Abgabe von 25 Euro bei Tagesgästen und Durchfahrern im Sommer fällig. 
  • Die Gästetaxe fließt komplett in die Montafon Tourismus AG, an der alle touristisch im Tal engagierten Personen und Unternehmen Beteiligungen halten. Das Vorarlberger Gesetz, wonach die Gemeinden die Mehrheit halten müssen, ist seit Jahren geändert. Die MT AG ist für Marketing und gästebezogene Infrastruktur verantwortlich. Sie unterhält auch die Kulturlandschaft, wo nötig, fördert den Kulturlandschaftsfonds des Standes und erteilt Landwirten einzelne Aufträge zum Erhalt bestimmter Bergmahdgebiete etc.
  • Außerdem wird aus der Gästetaxe auch die Montafon Rätikon Card bezuschusst. Sie ermöglicht dem Übernachtungsgast die rabattierte Nutzung der Infrastruktur der Täler Montafon, Prättigau und Brandner Tal wie Schwimmbäder, Museen, Elektrotaxis und Liftanlagen. Die Montafon Rätikon Card ist für beliebige Tage nach einem Punktesystem buchbar. Je mehr Punkte/Tage der Gast kauft, desto günstiger wird die Karte. Nicht verbrauchte Punkte werden angerechnet, wenn sich der Gast zu einer Karte in der nächsten Saison entschließt.
  • Es gibt seit einigen Jahren wieder deutlich mehr Vollerwerbslandwirte im Tal. Durch flächendeckende Mautbepreisung mit einem Zuschlag für Lebensmittel- und Tiertransporte ist die Massentierhaltung und die damit verbundenen Transportwege weitgehend unrentabel geworden. Das Bewusstsein für regional erzeugte Lebensmittel hat den Bio- und Vegetariertrend abgelöst. Die Landwirte im Montafon haben sich in einer Genossenschaft organisiert und betreiben eine zentrale Sennerei nebst Verkaufsstelle für ihre Produkte, die einen deutlich besseren Preis erzielen als früher.
  • Für Tagesgäste wird mit Blick auf Verkehr, Umsatz im Tal und Umwelt keinerlei Marketing mehr gemacht, Aufenthalts- und Qualitätstourismus sind weitgehend umgesetzt. die Preise für Einzelleistungen der Lifte etc. haben sich stark erhöht, so kostet eine Tagesskikarte für das Tal mittlerweile rund 150 Euro.
  • Als moderne Ganzjahresdestination hat das Montafon endlich ein eigenes Indoor-Erlebniszentrum mit Wellness, Hallenbad, Rutschen etc. entwickelt, das ständig erweitert wird. Der Standort Vandans hat sich sehr bewährt, der gewählt werden musste, weil am besten Standort kurzsichtige Politiker vor 15 Jahren ein Hotel genehmigt hatten. Das Bad wird von den Gästen nicht nur der Privatvermieter sehr gut angenommen, da es mit der Montafon Rätikon Card eine Ermäßigung gibt. 
  • Auch im Montafon ist angekommen, dass das Rad-Schiene-System der Eisenbahn im Regionalverkehr auf dem Land viel zu teuer ist und keine Zukunft hat. Die Pläne zur Erweiterung der Montafoner Bahn bis nach St. Gallenkirch sind schon vor 10 Jahren still und leise beerdigt worden. Die Schienen von Schruns nach Bludenz sind abgerissen, die Trasse wird für den neuen Verkehr mit autonom fahrenden Elektromobilen zur Entlastung der Wohngebiete genutzt.
  • Verkehrstechnisch setzt das Montafon voll auf Elektromobilität. Verbrennerfahrzeuge unterliegen einer Umweltabgabe. Sie können auch draußen vor dem Tal auf dem Großparkplatz parken. Die Gäste steigen auf autonom fahrende Taxis um, die sie zur Unterkunft oder der Talstation des Skigebiets bringen. Auch der öffentliche Personennahverkehr wird kleinteiliger und angepasst an die Streusiedlungen abgewickelt. Deutlich flexibler, kostengünstiger und umweltfreundlicher als die Busflotte der früheren MBS. Die Reste der MBS-Bus sind mittlerweile privatisiert oder abgewickelt.
  • Konsequent setzt das Montafon darum auch auf heimischen Strom und setzt seine Vorreiterrolle in Sachen Energie in den Zielmärkten des Tourismus gekonnt in Szene. Der Strommix beträgt 100% Wasserkraft mit Photovoltaik. Es wird kein Atom- oder Kohlestrom mehr zugekauft, um die Pumpspeicherkraftwerke zu bedienen. Überschüssiger Strom wird an internationalen Strombörsen weiterverkauft. Die dezentrale Speicherung in Akkus und die Produktion von Strom auf Dächern ist im Tal weit verbreitet, Pumpspeicherkraftwerke der Illwerke werden keine neuen mehr benötigt und es wird über den Rückbau alter Anlagen nachgedacht. 
  • Die alte Montafoner Kulturlandschaft erlebt eine Renaissance. Heute werden Förderungen gezahlt, wenn Bausünden der letzten 30 Jahre abgerissen und wieder mit Vollholz das neu entwickelte Montafoner Haus 2.0 errichtet wird. Denn endlich hat man die Lobbyisten der Beton- und Isolierungsbranche argumentativ ins Abseits gestellt. Gesünder Wohnen mit nachhaltigem, lokalen Baumaterial gebaut und ohne immense Abrisskosten durch Sondermüll bei den überisolierten Häusern ist der Trend und damit nimmt das Tal wieder Anleihen an der Vergangenheit mit seinem einzigartigen Baustil des Montafoner Hauses. Vorbild ist Venedig, das durch seine Sanierung der alten und einzigartigen Bausubstanz als Weltkulturerbe einen Zulauf erhält wie die letzten 30 Jahre nicht.
  • Für die Entwicklung des Tales wurde vor Jahren ein strategischer  Raumentwicklungsplan aufgestellt, der den Namen auch verdient. Darin ist exakt festgelegt, wo Wohngebiete ausgewiesen werden, wo Gewerbe möglich ist, wo Hotels mit wie vielen Betten und in welchem Baustil (Giebeldächer und Holz sind vorgeschrieben) gebaut werden dürfen und wo dauerhafte Freihaltezonen für die Natur und die Landwirtschaft eingeplant sind. Die Gemeinde Montafon hat diesen flächendeckend in Flächennutzungspläne und Bebauungspläne umgesetzt, so herrscht Klarheit und Rechtssicherheit für alle.   
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