Wer sich für die Geschichte des Tourismus im Montafon oder in Österreich allgemein interessiert, hat vermutlich schon davon gehört: Die vom Deutschen Reich (Adolf Hitler) Ende Mai 1933 angeordnete und am 1. Juli 1933 in Kraft getretene Maßnahme, dass jeder reichsdeutsche Tourist beim Grenzübertritt nach Österreich 1000 Mark zu zahlen hatte. Heute wären dies ca. 4500 Euro, wenn man die gleiche Kaufkraft zugrunde legt.

Diese 1000 Mark-Sperre genannte Maßnahme folgte einer seit bereits 1931 geltenden 100 Mark-Sperre. Sie war einerseits ein (devisen)protektionistischer Akt, denn Hitler störte, dass die reichsdeutschen Touristen rund 55. Mio Reichsmark in Österreich ausgaben, die Österreicher in Deutschland aber nur 16 Mio. Reichsmark bei ihren Besuchen liegen ließen. Andererseits war dies aber auch eine direkte Maßnahme gegen die Regierung in Österreich, Hitler hoffte, das Regime des damaligen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß so bis an den Rand des Zusammenbruchs zu bringen. 1934 wurde Dollfuß beim erfolglosen Juliputsch der Nationalsozialisten ermordet.

 

Erheblicher Rückgang der Nächtigungen

Das zarte Pflänzchen Tourismus hatte sich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gerade entwickelt und die bäuerlichen und extrem ärmlichen Strukturen insbesondere in den höheren Lagen wie im Montafon hatten davon sehr profitiert. Durch die Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 wurden diese Bemühungen um einen neuen Wirtschaftszweig neben der Landwirtschaft jedoch jäh zurückgeworfen, es fehlte einfach das Geld für Auslandsreisen.

Die 1000 Mark-Sperre hat das Montafon durch den erheblichen Rückgang der Nächtigungen darum um so härter getroffen. Neben der belastenden Wirtschaftskrise wurde dem Gast jetzt auch noch ein Eintrittsgeld oder besser eine Ausreiseabgabe abgeknöpft. So sanken die Nächtigungen deutscher Gäste in Schruns von 1932 auf 1933 um 87% und das bei einem Gästeanteil der Deutschen von knapp 80%.

Die Bürger und Touristiker legten diese Probleme jedoch eher ihrer Regierung zur Last als Hitler. Noch 1919 hatten viele Vorarlberger für einen Anschluss an die Schweiz gestimmt, der dann aber doch nicht kam. Mit der 1000 Mark-Sperre lebten die damals vorhandenen Anti-Wiener-Ressentiments gerade in Vorarlberg wieder auf. Der deutsche wirtschaftliche Aufschwung im Vergleich zur wirtschaftlichen Tristesse in Österreich verhalf den Nationalsozialisten zu weiteren Anhängern in Österreich.

Gerade die Presse in Vorarlberg sah zu jener Zeit den wirtschaftlichen Zusammenbruch der jungen Tourismusindustrie voraus und wollte von der Wirksamkeit der Maßnahmen des Bundes (Wien) nichts wissen. Insgesamt versuchten österreichische Nationalisten ebenso wie die Nationalsozialisten, die Krise für ihre Zwecke zu nutzen. Aus dem Grund wurde die 1000 Mark-Sperre auch breit in der Presse besprochen in jener Zeit und überlagerte in der Berichterstattung auch nach dem Krieg häufig sogar die Wirtschaftskrise jener Jahre.

Schruns am 1. Mail 1938. (Quelle: Sammlung Montafon Archiv)

Weiterentwicklung des Tourismus

Dennoch mündete der damalige wirtschaftliche Druck in verstärkte Bemühungen um Gäste und Investitionen im Ländle wie beispielsweise ein staatlich gefördertes Hotelsanierungsprogramm, die Internationalisierung der Werbung (Frankreich, England, Benelux) und die vorrangige Bewerbung des Winters mit den Skigebieten. Diese mussten damals aber noch ohne Aufstiegshilfen auskommen, die ersten Lifte wurden erst Ende der 30er Jahre in Lech errichtet.

Trotzdem wirkte sich die bis 1936 dauernde 1000 Mark-Sperre neben der Wirtschaftskrise im Montafon dramatisch aus und war mitverantwortlich für schon überwunden geglaubte Probleme im Tal wie Hunger, hohe Kindersterblichkeit etc. und beendete zunächst die Weiterentwicklung des Tourismus. In anderen Gebieten Vorarlbergs wie am Arlberg oder im Kleinwalsertal waren die Auswirkungen nicht so stark, weshalb Rückschlüsse von landesweiten Statistiken auf die Auswirkungen aufs Montafon mit Vorsicht zu genießen sind.  

Mit dem Einmarsch reichsdeutscher Truppen im März 1938 und dem „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich war ein unabhängiges Österreich für die nächsten Jahre ebenso wie die 1000 Mark-Sperre Geschichte, auch wenn sich die Zahl deutscher Gäste zunächst wieder erhöhte. Aber erst nach dem 2. Weltkrieg (1939-1945) konnte die touristische Entwicklung des Tals wieder nachhaltig vorangebracht werden.

 

Literaturtipps

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