Im Montafon ist das Holzhaus als Montafoner Haus auf jeden Fall Tradition. Die „alten Montafoner“ haben sich beim Hausbau von den Notwendigkeiten und Rahmenbedingungen leiten lassen, die sie im Tal vorgefunden haben. Holz gab es mehr als genug und war damit gegenüber Stein die deutlich günstigere Bauweise, da das Holz praktisch vor der Tür vorhanden war und zur Gewinnung von Weide- und Ackerflächen ohnehin gerodet werden musste.

Wenn wir wissen, dass heute allein in Vorarlberg jährlich 600.000 Kubikmeter Holz nachwachsen, also rund 1 Kubikmeter in der Minute (!!!) und wir nur 2/3 davon „ernten“, stellt sich doch die Frage, warum man sich nicht der alten Tugenden besinnt und nachhaltig wieder mehr mit lokalem Baumaterial baut. Denn ein Holzhaus als Einfamilienhaus braucht ca. 100 Kubikmeter Holz je nach Ausführung, nach nicht mal 2h ist der Wald dafür also nachgewachsen. Vielleicht ist Holz ja ein schlechteres Baumaterial im Vergleich zu Stein, Beton, Stahl, Styropor, Kunststoffplatten etc.?

Holz ist ein natürlicher, lebender und nachwachsender Rohstoff, der sich hervorragend zum Bau von Wohnhäusern eignet, in denen man gesund leben kann. Es werden inzwischen nicht nur Einfamilienhäuser aus Holz errichtet, sondern auch Wohnblöcke und Gewerbebauten. International gesehen wird die Holzbauweise wieder beliebter und der Anteil an Holzhäusern von 15% an den Neubauten steigt. Im Montafon können wir bisher nur schwer einen Trend ausmachen. Vielleicht steht uns hier die Tradition gerade im Weg, so dass wir das Holzhaus nicht als „modern“ akzeptieren?

Holzhäuser und deren Vorteile: Wir haben die Fakten! (Titelbild: Ing. Erwin Thoma Holz GmbH)

Ein zentraler Bestandteil der Montafoner Kulturlandschaft ist das typische Montafoner Haus. Aus dem Rätoromanischen Haus und dem Walserhaus entwickelte sich eine eigene architektonische Form der Häuser in Stein-Holz Mischbauweise. (Fotos: Manfred Schlatter)

Holzhäuser können in verschiedener Weise verwirklicht werden. Der Unterschied liegt am Holzanteil und am Aussehen des Hauses:

 

  • Ein Holzständerhaus besteht aus Holständern (Holzbalken), die das gesamte Gebäude tragen. Die Leerräume zwischen den Holzständern kann mit verschiedenen Materialien „gefüllt“ werden, zwischen die Ständer kommt meist eine Dämmung, dann wird die Konstruktion mit Platten mit mehr oder weniger Holzanteil verkleidet.
  • Die moderne “Massivbauweise” wird mit Brettsperrholzplatten realisiert, die Häuser haben also mehr Holzanteil als Holzständerhäuser und es werden keine Folien verbaut. Der Aufbau besteht aus Vollholzwänden/Decken mit einer Stärke von 6-30 cm. 10 cm ist Standard bei Außenwänden. Innen kann die Platte in Sichtqualität oder mit einer Installationsebene eingebaut werden. Außen ist eine vollflächige Holzfaserdämmung passend. Die Fassadengestaltung kann frei gewählt werden.
  • Das Blockhaus ist ein Vollholzhaus und einer der ältesten Haustypen überhaupt, hier werden ganze Stämme in ihrer ursprünglichen runden Form zu einem Haus aufgerichtet.
  • Das Montafoner Haus ist auch ein Vollholzhaus, allerdings werden Balken verwendet, die an den Hausecken verzahnt („gestrickt“) sind. Durch die Balkenform ist die Isolierung gleichmäßiger als beim Blockhaus mit seinem „dicken und dünnen“ Stellen. Mit rundem Holz „rond ofdrölt“ errichtete Gebäude findet man im Montafon bei Ställen, hier wird aus der Not des Blockhauses oft eine Tugend gemacht und es werden zur Durchlüftung Abstände zwischen den Stämmen gelassen.

Holz verhilft den Wohnräumen zu einem einmaligen, heimeligen Ambiente.(Fotos: Ing. Erwin Thoma Holz GmbH)

Vorteile des Holzhauses:

  • Die Produktion von Holz ist umwelttechnisch ideal: Bei der Holzproduktion durch den Wald wird gleichzeitig klimaschädliches CO² gebunden.
  • Die Verwendung von Holz wirkt dreifach auf das Klima: Das Holz im Haus speichert das CO² weiter, im Wald können neue Bäume wachsen und wieder CO² binden. Energieintensivere Baustoffe wie Stahl, Ziegel oder Beton werden außerdem nicht produziert bei einem Holzhaus und die Energie damit gespart. Je mehr Holz eingesetzt wird, desto stärker der Effekt (Massivholzhaus).
  • Holzhäuser sind nachhaltig, so lange mehr Holz nachwächst als geerntet wird, wie das in Vorarlberg und ganz Österreich der Fall ist. Auch eine „Entsorgung“ ist kein Problem, es gibt keine Sondermüllthemen wie bei Isoliermaterial oder gemischten Baustoffen beim Abbruch oder bei Umbauten. Dafür sollte das Holz aber möglichst leimfrei und ohne chemische Stoffe verwendet werden, was konstruktiv kein Problem darstellt.
  • Holzhäuser sind gesünder, die Holzumgebung wirkt beruhigend und die ätherischen Öle lassen unsere Herzschlagfrequenz sinken. Das gilt für alle Holzarten, nicht nur für das (im Montafon wenig vorkommende und aus Naturschutzgründen in Vorarlberg nicht nutzbare) Zirbenholz. Je weniger andere Stoffe als Holz verwendet werden, desto besser. Beplankungen, Folien und auch Dämmungen weisen oft Chemie auf.
  • Die Bauzeit am Aufbauort im Vergleich zum Steinhaus ist niedriger. Es gibt keinen Trocknungsprozess wie bei Beton nach der Errichtung und das Haus ist darum sofort bezugsfertig.
  • Holz ist ideal für schwierige Geländeverhältnisse, da das Material mit deutlich weniger Eigengewicht als Stein, Beton oder Stahl wesentlich mehr tragen kann. Das belastet den Untergrund weniger. Allerdings kann schwieriges Gelände gleichzeitig den Einsatz von Stahl oder Stahlbeton erfordern.
  • Im Grundsatz isoliert ein Holzhaus ideal und reguliert von selbst Feuchtigkeit und Wärme. Man kann bei gleichem Effekt mit dünneren Wänden arbeiten, das Holzhaus braucht weniger Energie. Dabei kommt es natürlich immer auf die konkrete Ausführung des Holzeinsatzes an. Je mehr massives Holz verwendet wird in Decken und Wänden, desto besser der Effekt.
  • Holz ist in Brandfällen berechenbarer als andere Baumaterialien! Holz verkohlt gleichmäßig und bricht nicht ohne Vorwarnung ein wie Stützen aus Beton oder Stahlbeton. Beim Brand entstehen keine giftigen Rauchgase, an denen die Brandopfer häufiger sterben als am Feuer. So hat der Förster, Holzhauspionier und Buchautor Erwin Thoma durch eigene Versuche nachgewiesen, dass seine Massivholzwandsysteme 150 Minuten Beflammung bei bis zu 1000 Grad überstehen, ohne einzubrechen. Das übertrifft jede Brandschutznorm und ist damit 3-5x sicherer als Stahlbeton oder Ziegel.
  • Holz braucht keine Behandlung mit Chemie. Montafoner Häuser leben seit Jahrhunderten ohne Lack, Öl, Wachs oder Farbe. Sie verändern durch die Witterung ihr Aussehen, werden erst grau, dann fast schwarz. Mit dieser Veränderung schützt sich das Holz aber selbst. Durch die Verwendung von Mondholz und Winterholz erhöht man den natürlichen Schutz noch. Denn „wer einmal malt, malt immer“. Darum besser gar nicht damit anfangen.
  • Wenn regional Holz vorhanden ist wie im Montafon, kann die regionale Wertschöpfungskette genutzt werden, das schafft regionale Arbeitsplätze und vermeidet Transportkilometer. Durch die Höhenlage ist das Holz aus dem Montafon außerdem qualitativ sehr hochwertig, da Bäume in Höhenlagen langsamer wachsen und dadurch engere Jahresringe bilden.

 

(Fotos: Ing. Erwin Thoma Holz GmbH)

Nachteile des Holzhauses:

  • Holz ist ein Naturprodukt und arbeitet das ganze Jahr. Bei fixen Materialien wie Fliesen, Rohren und Leitungen muss genug Platz gelassen werden, um dem Holz die Ausdehnung zu ermöglichen.
  • Holzhäuser knarren gerne, wenn sich das Wetter und die Temperatur ändern. Das Haus beweist damit aber nur, dass es LEBT. Bei richtiger Verarbeitung ist aber auch das Knarren in modernen Holzhäusern kein Thema mehr.
  • Holzhäuser isolieren den Schall aufgrund der fehlenden Masse innerhalb des Hauses schlechter als Ziegelhäuser. Das ist ein Thema für Mehrfamilienhäuser, hier muss mehr Aufwand betrieben werden für den Schallschutz. Beim Einfamilienhaus ist das eher weniger problematisch.
  • Wasser ist eine Gefahr für das Haus, wenn es großflächig oder dauerhaft auf das Holz einwirken kann. Vernünftige Dachüberhänge sind also wichtig, sind es aber bei Häusern aus Beton oder Stein auch.
  • Schädlinge wie Schimmelpilze und Holzwurm sind Übel, die auftreten können, aber auch im Massivhaus kann Insektenbefall vorkommen.

Holz ist ein natürlicher, lebender und nachwachsender Rohstoff, der sich hervorragend zum Bau von Wohnhäusern eignet. (Fotos: Zimmerei Mathies, St. Gallenkirch)

Was lernen wir daraus? Baut und wohnt in Holzhäusern! 😊 Für die Umwelt und für Eure Gesundheit mit möglichst hohem Holzanteil und möglichst wenig chemischen Materialien. Und im Montafon erst recht, wird doch damit das Feuer der Tradition des Montafoner Hauses aufrecht erhalten und nicht nur die Asche der verblichenen Kulturlandschaft angebetet.

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