Weiterer zentraler Bestandteil der Montafoner Kulturlandschaft ist das typische Montafoner Haus. Aus dem Rätoromanischen Haus und dem Walserhaus entwickelte sich eine eigene architektonische Form der Häuser in Stein-Holz Mischbauweise. In ganz Österreich und dem gesamten Alpenraum gibt es kein so kleines Tal, welches einen eigenen Haustyp besitzt, auch wenn die einzelnen Häuser sich je nach Wohlstand des Bauherrn, Lage und architektonischer Mode durchaus unterscheiden. Die Häuser sind zwischen 60 und 350 Jahre alt. Zentrale Merkmale sind die rotbraun verwitterten und mit Holzbalken gestrickten Wände und das Holzschindeldach aus Fichte oder Lärche sowie der in abgewandelter Form immer wiederkehrende Grundriss der Flurküchenhäuser mit Küche, zum Tal hin liegende Stube und Elternschlafzimmer („Kuchi, Stoba, Gada“) im EG, angeordnet um den Kamin mit Kachelofen und Küchenholzherd sowie weiteren Schlafzimmern (“Stobakammara, Gadakammara”) im 1. OG. Typisch ist das flach geneigte (23-25 Grad) Schneedach, damit der Schnee wärmend darauf liegen bleibt, ohne als Dachlawine abzurutschen.

Überwiegend haben Montafoner Häuser weiße Fensterrahmen und grüne Fensterläden aus Holz, aber auch die unlackierte Variante von Rahmen und Läden ist anzutreffen. Ergänzt wurde diese Holzbauweise durch mit weißem Kalkmörtel verputztem Mauerwerk. Ziegel gab es mangels Ton im Montafon nicht, Kalkgestein dagegen schon. Häufig wurde das Erdgeschoss (auch nur um die Stube) außerhalb mit senkrecht angebrachten Brettern weiter isoliert, vermögende Hauseigentümer haben vereinzelt dann noch kleine Holzschindeln auf die Wände aufgebracht, wie das im Bregenzer Wald sehr typisch ist. Die Häuser stehen mit den Giebeln zum Tal, damit das Wasser von den Traufen ins Tal ablaufen kann und sich nicht hinter dem Haus sammelt.

Diese Charakteristika machen die Hauslandschaft im Montafon so typisch und einzigartig, auch wenn sich die einzelnen Häuser in Details voneinander unterscheiden und verschiedentlich in unterschiedliche Haustypen eingeteilt werden. Auch Doppelhäuser wurden aus den verschiedenen Haustypen errichtet. Dabei waren für die Auswahl des Haustyps in aller Regel die Geländebeschaffenheit und die Sonneneinstrahlung ausschlaggebend. Für das ursprüngliche Montafon typisch ist ferner keine Dorflandschaft, sondern die Einzelhofsiedlung, die bereits in der Zeit der ersten Rodung des Urwaldes entstanden. Zu den Eigentümlichkeiten gehört auch das Fehlen von Hecken im gesamten Tal.

Die Hofform im Montafon ist in der Regel der Paarhof: Ställe und Wohnhäuser stehen nebeneinander oder gegeneinander, in Lawinengebieten auch hintereinander. Der Stall ist meist größer als das Wohnhaus/Maisäß und steht auch häufig an exponierterer, „besserer“ Lage. Zweck war meist, dass die Häuser windgeschützter waren und das Heu in den Ställen vom Wind weitergetrocknet wurde. Ställe wurden meist mit Rundhölzern gebaut („rond ofdrölt“) und wie der Schopf am Haus mit einer Deckelschalung „verbrettert“.

Titelbild: Haus in Schruns, Bargusweg. (Bilder: Manfred Schlatter, www.foto-schlatter.at)

Montafoner Haus in Gaschurn.

Um das weitere Verschwinden der traditionellen Hauslandschaft und insbesondere der Holzschindeldächer zu verhindern, hat der Stand Montafon 1997 einen Kulturlandschaftsfonds (ursprünglich: Schindelfonds) aufgelegt, der Förderungen für die teure Sanierung/Neueindeckung an die Eigentümer gewährt. Leider ist dieser derzeit mit nur 50.000 Euro pro Jahr dotiert, so dass auf die steigende Zahl an Anträgen (2016: 59 Gebäude) nur ein kleiner Teil der immensen Kosten abgedeckt werden kann. 70% der Mittel kommen vom Land Vorarlberg, 30% vom Stand Montafon. Die Mittel des Fonds werden auch überwiegend nur für die Maisäß- und Alpgebiete bewilligt, nicht für den Dauersiedlungsraum. Immerhin sind in den letzten 20 Jahren rund 700.000 Euro an Förderungen für rund 550 Vorhaben vergeben worden. Damit konnten 4,7 Hektar Holzschindeldachfläche gefördert werden.

In das Montafoner Haus gehört der Montafoner Tisch. Dieser hat eine mit Einlegearbeiten verzierte achteckige (4 gebrochene Ecken) Tischplatte mit einer mittig eingelegten Schiefertafel und steht auf schrägen Füßen. Mehr als 100 Stunden Arbeit stecken in jedem dieser Unikate, dessen Holzverzierungen jeder Kunde selbst auswählen kann.Verwendet werden dafür heimische Hölzer wie Birne, Kirsche, Eiche, Buche, Nuss, Ulme und Ahorn, die vor der Verarbeitung bis zu 25 Jahre lang gelagert und luftgetrocknet werden.

Montafoner Tische sind Unikate, die noch heute von engagierten Kunsttischlern gefertigt werden und mehr als 100 Stunden Arbeit und Geschick erfordern. (Bilder: Daniela Rösler)

Die Schiefertafel diente zum Abstellen von heißen Töpfen und als Schreibtafel beim Kartenspiel, dem Jassen. Zum Montafoner Tisch gehören eine Eckbank, Stühle und ein Herrgottswinkel über der Eckbank mit einem Kreuz und zwei Votivbildern. Auch heute noch werden neue Montafoner Tische hergestellt, z. B. von Markus Juen in St. Gallenkirch, einem engagierten Kunsttischler, der den elterlichen Betrieb übernommen hat: www.juen.cc, außerdem von der Tischlerei Tschofen, ebenfalls in St. Gallenkirch: www.tischlerei-tschofen.at