Seit 2014 steht nun die Schanzenanlage in Tschagguns in der Zelfen. Nicht nur viele Montafoner waren skeptisch, ob die 15 Mio. Euro nicht hätten sinnvoller im Tal verwendet werden können und ob die Optik nicht ein weiterer Mosaikstein zur Zerstörung der Kulturlandschaft des Tales darstellen würde. Das Zwischenfazit zur Anlage ist jedoch überraschend positiv.

Von der Konzeption her ist die Schanzenanlage ein Trainingszentrum, auf dem auch Wettbewerbe durchgeführt werden können. Sie beinhaltet 4 Schanzen, wovon drei als Trainingsschanzen dienen, auf einer kann bis 108 m gesprungen werden, so dass sie auch für internationale Wettbewerbe genutzt werden kann. Die windgeschützte Lage und die Trainingsplattform bei der Mittelstation sind deren Besonderheiten. Dadurch kann ein Trainer Sportlerinnen und Sportler auf mehreren Schanzen betreuen, ohne dass er den Standort wechseln muss. Zudem sieht er neben dem Anlauf und dem Absprung auch die gesamte Flugphase inklusive Landung, das sind ziemlich einmalige Trainingsbedingungen. Auch Carina Vogt, deutsche Olympiasiegerin 2014 in Sotchi ist mit der neuen Anlage sehr zufrieden: „Das ist eine Wahnsinnsanlage, ich bin wirklich sehr beeindruckt. Die Infrastruktur und die Trainingsbedingungen sind ideal. So etwas findet man in Zentraleuropa nicht oft.“

 

Die Schanzenanlage beinhaltet vier Schanzen, wovon drei als Trainingsschanzen dienen. Auf einer kann bis 108 Meter gesprungen werden – somit kann sie auch für internationale Wettbewerbe genutzt werden.

In der Nordhanglage in Tschagguns neben dem Gampadelskraftwerk (mit dem Treppenaufstieg nach Bitschweil) errichtet, stört sie das Landschaftsbild nur wenig, wenn auch viele am Projekt Unbeteiligte zumindest bisher gefragt haben, ob dieses Millionenprojekt auf Dauer auch auszulasten sein wird und sich das Montafon das überhaupt leisten kann. Die Eigentümer der die Anlage betreibenden GmbH sind das Land Vorarlberg (Mehrheitseigentümer) sowie der Stand Montafon (und damit alle Gemeinden des Montafon) mit gut 30% und die Gemeinde Tschagguns mit 5%. Es waren bis zu 125 Personen gleichzeitig beschäftigt, welche die 15,2 Mio. Euro verbaut haben. Dabei wurden überwiegend Firmen aus dem Montafon und Vorarlberg beauftragt, aber auch Spezialisten aus Tirol, Deutschland und Finnland waren beteiligt.

Die erste Herausforderung für das Schanzenzentrum in Tschagguns war bereits der Bau: In sehr kurzer Zeit musste die Schanzenanlage errichtet werden, denn der Termin für die EYOF stand bereits fest. Baubeginn war am 18. Februar 2013, Fertigstellung im Mai 2014 und der erste Betriebstag am 14. Juni 2014. Von den 121 Tagen der Sommersaison 2014 waren an 114 Tagen Springer auf der modernsten Schanzenanlage Österreichs vor Ort. Die erste Sommersaison endete am 12. Oktober 2014 mit der österreichischen Meisterschaft vor einer Kulisse mit 2.000 Zuschauern. Am 2. September 2015 fand der Sommer Grand Prix der Kombinierer statt – die erste Weltcup Veranstaltung. Mit dieser Auslastung ist der Geschäftsführer der Anlage, Elmar Egg, sehr zufrieden, die Anlage werde „geradezu sensationell“ angenommen.

Das ganzjährig geöffnete und für jedermann zugängliche Café bietet einen herrlichen Ausblick auf die Schanzen, bei welchen man auch im Sommer oft den trainierenden Sportlerinnen und Sportlern zusehen kann. Außerdem bietet das Schanzenzentrum jeden Freitagnachmittag Führungen an. Kosten mit Liftfahrt und Führer 12,- Euro für Erwachsene und 8,- Euro für Kinder und Senioren. Für den kommenden Winter sollen Schnupperkurse im Skispringen angeboten werden, weitere Infos unter www.montafon-nordic.at.