Hintergrundgespräch mit Jürgen Zudrell, Geschäftsführer und Roland Zudrell, stellv. Betriebsleiter der Montafoner Kristbergbahn

Bergbahnen gehen regelmäßig in der Nebensaison in „Revision“. Das bedeutet im Montafon meist mehrere Wochen Betriebspause sowohl im Frühjahr als auch im Herbst. Das kennen alle Bergbahnbenutzer. Doch kaum jemand hinterfragt, was denn bei dieser Revision abläuft. Wir haben uns darum auf dem Kristberg mit zwei Experten einer Bergbahn unterhalten, die uns bereitwillig und ausführlich über die Arbeiten informiert haben. Jürgen Zudrell ist Geschäftsführer, Roland Zudrell stellv. Betriebsleiter der Montafoner Kristbergbahn Silbertal GmbH. Die Kristbergbahn im Silbertal gehört zum Bergbahnenverbund Montafon Brandnertal und betreibt drei Lifte. Die Kristbergbahn selbst ist eine Pendelbahn mit einer 35 Personen-Gondel, die im Sommer wie Winter in Betrieb ist. Eine Besonderheit ist, dass die Bahn zwei Ausstiegsstellen hat, im unteren Bereich der Bahn „Schöni“ und im oberen Bereich das Bahn „Stelza“, die nach Bedarf bedient werden.Daneben werden im Winter beim Kristbergsattel zwei Schlepplifte betrieben, der Kristberglift und der Sattellift.

Seilbahnen und Schlepplifte sind weltweit die sichersten Verkehrsmittel, erläutern uns die beiden Seilbahnprofis. Dies ist unter anderem auf die strengen Anforderungen an die Sicherheit zurückzuführen. Das Seilbahnpersonal ist für die Sicherheit verantwortlich und kontrolliert täglich, wöchentlich, monatlich oder in größeren Intervallen bestimmte Teile der Bahn. Seilbahnen müssen zusätzlich alle 5 Jahre durch externe akkreditierte Sachverständige (TÜV) umfassend überprüft werden. Dies ist in Österreich durch die Seilbahnüberprüfungs-Verordnung 2013 geregelt. Der überwiegende Teil der dennoch passierenden Unfälle ist nicht auf technische Ursachen, sondern auf Fehlverhalten der Fahrgäste zurückzuführen. So gab es bei der Kristbergbahn nie technisch bedingte Unfälle seit er zurückdenken kann, meint Roland. Nur ein Fahrgast habe sich vor Jahren beim Ausstieg aus der Gondel zwischen Gondel und Bahnsteig unglücklicherweise mal das Bein eingeklemmt.

Bei einer Revision, die 2x im Jahr stattfindet und rund 3 Wochen dauert, wird zunächst den Seilen größte Aufmerksamkeit gewidmet, was mehrere Tage in Anspruch nimmt, wie Roland erklärt. Bei der Kristbergbahn als Pendelbahn hängt die Bahn an einem fixen Tragseil und wird von einem Zugseil, das rundum läuft, nach oben und unten gezogen. Beide Seile müssen monatlich kontrolliert werden durch eine Sichtkontrolle. Das Tragseil muss auch geölt werden, um Flugrost zu vermeiden. Alle 6 Jahre muss das Tragseil sogar nachgezogen werden. Das bedeutet, dass 16m des Seils verschwinden und 16m der Seilreserve neu benutzt wird. Dann muss das gesamte Tragseil mit 50 Tonnen neu abgespannt werden. Außerdem muss das Seil regelmäßig geröntgt werden, um festzustellen, ob es Schäden aufweist. Eine intensivere Zugseilüberprüfung erfolgt je öfter, desto älter das Seil ist. Alt werden Seile ohnehin, sie können ohne weiteres 50-60 Jahre benutzt werden. Das Zugseil verschleißt durch die Biegebelastung schneller, weil es ständig um die großen Rollen läuft, die in der Berg- und Talstation zu sehen sind, worauf uns Roland aufmerksam macht.

Eine Revision findet zwei Mal im Jahr statt und dauert rund drei Wochen. (Alle Bilder: Ferdinand Ganahl, Montafoner Kristbergbahn)

Jürgen Zudrell ist Geschäftsführer der Montafoner Kristbergbahn Silbertal GmbH.

Roland Zudrell ist stellv. Betriebsleiter der Montafoner Kristbergbahn Silbertal GmbH.


Die Kristbergbahn beschäftigt 8 Mitarbeiter. 6 Mitarbeiter betreiben die Bahn und sind in Vollzeit bei der Bahn beschäftigt, wovon Roland einer ist. 2 von den 6 Mitarbeitern sind Elektriker und 2 Schlosser.

Das Zugseil fängt bei der Kabine an und endet dort, erläutert uns Jürgen, der sich auch als Geschäftsführer sehr gut mit den technischen Einzelheiten auskennt. Einmal im Jahr müssen die Kabinenbefestigungen des Seils (Kegel) kontrolliert werden. Sollte hier das Seil reißen, wäre das noch keine Katastrophe, denn eine automatische Bremse würde die Gondel am Tragseil festhalten, wie Jürgen uns beruhigt. Die Kegel, die sich am Seilende befinden und das Seil an der Kabine fixieren, müssen alle 4 Jahre komplett erneuert werden. Sie bestehen aus einer Metalllegierung und werden an das Ende des aufgedrehten Stahlseils gegossen.

Nicht nur die Seile, auch die Rollen auf der Strecke, über welche das Seil läuft, müssen kontrolliert werden. Diese bestehen aus Gummi und verschleißen immer wieder, so werden pro Revision ca. 20-25 der Gummis ausgetauscht. Neben Abschmierarbeiten an den beweglichen Teilen der Technik werden auch der Elektromotor und das Getriebe der Seilbahn gewartet, so Roland. Am Motor werden Isolationsmessungen vorgenommen, beim Getriebe wird das Öl kontrolliert, wobei hier nicht nur der Ölstand wie beim Auto gecheckt wird, die Qualität des Öls muss geprüft werden und es wird dafür an ein Labor geschickt.

Bei der Kristbergbahn als Pendelbahn hängt die Bahn an einem fixen Tragseil und wird von einem Zugseil, das rundum läuft, nach oben und unten gezogen.

Sehr wichtig sind auch die vorgeschriebenen Bremsproben, die wöchentlich auch während der Betriebszeit – ohne Passagiere – durchgeführt werden müssen. Bei der Revision müssen die Bremsen neu eingestellt werden und die Beläge sind zu checken. Einmal im Jahr sind auch Bremsproben unter Volllast vorgeschrieben, dann werden Tanks in die Kabine gestellt und mit Wasser gefüllt.

Neben Seilen und Rollen sind natürlich auch die Stützen und die Kabine selbst wichtige Elemente des Seilbahnbetriebs. Auch sie werden regelmäßig kontrolliert, dabei werden insbesondere alle Schweißnähte durchgesehen und die Betonsockel der Stützen kontrolliert. Außerdem werden bei einer Revision alle Sonderarbeiten durchgeführt, die ein laufender Betrieb nicht zulässt, wie uns die beiden Seilbahnprofis aufzählen: Malerarbeiten, Arbeiten an der Elektronik, Brandschutzvorrichtungen wie Feuerlöscher und Feuermelder warten, Hebezüge wie Ketten überprüfen, Grundreinigung, auf der Trasse der Seilbahn Bäume und Sträucher stutzen und was alles so anfallen kann bei einem komplexen Betrieb wie einer Seilbahn.

Software und Elektronik werden inzwischen auch bei der Kristbergbahn per Fernwartung von einer Spezialfirma gecheckt und upgedated. Ein weiteres Elektronikthema sind die Kassensysteme. Günter Säly, der auch bei der Kristbergbahn beschäftigt ist, zeichnet für die Updates der gesamten Bergbahnkassen im Bereich der Montafon Brandnertal Card verantwortlich. Hier müssen immer wieder neue Preises, Bedingungen und Saisonzeiten aufgespielt werden. Nicht einfach, wenn manche Bergbahnen länger oder kürzer Saison haben als andere im selben Bergbahnpool.

Die Kristbergbahn beschäftigt 8 Mitarbeiter. 6 Mitarbeiter betreiben die Bahn und sind in Vollzeit bei der Bahn beschäftigt, wovon Roland einer ist. 2 von den 6 Mitarbeitern sind Elektriker und 2 Schlosser. Sie kümmern sich aus Kostengründen so weit als möglich selbst um alle Belange der Bahn. Daneben sind in Teilzeit eine Reinigungskraft und der Geschäftsführer Jürgen angestellt. Bei einer Revision sind alle 6 Technik-Mitarbeiter die ganze Woche im Einsatz. Läuft etwas unplanmäßig, müssen z.B. Kegel ein zweites Mal gegossen werden, sind auch Nachtschichten fällig, meint Roland, damit der Zeitplan eingehalten werden kann. Zusätzlich zum eigenen Personaleinsatz verschlingt jede Revision zwischen 30.000 und 35.000 Euro, stöhnt Jürgen.

Zu den Tätigkeiten in der Nebensaison gehört auch, das Gebiet von Sommer auf Winter und umgekehrt umzubauen. So müssen Schneekanonen, Pistenabsperrungen und Schilder abgebaut werden, erklärt Roland. Die Kristbergbahn besitzt zwei Pistengeräte, bei denen ebenfalls nach dem Winter ein Service durchzuführen ist, bevor sie in der Garage verschwinden. Für den Sommer wird der Spielplatz aufgebaut, der Silberpfad kontrolliert und vorbereitet und es werden Sitzbänke für die Wanderer installiert.

Alles in allem ein ziemlich volles Programm für die Mitarbeiter in der Zeit, wenn die Bahn steht. Eine komplette Ganzjahressaison ist mit einer Bergbahn also gar nicht möglich, erläutert Jürgen. Auch wenn man die Zeiten noch weiter strafft, ein paar Wochen braucht man für die Revision immer, wenn die meiste Arbeit aus Kostengründen mit eigenen Mitarbeitern und nicht mir Fremdfirmen abgedeckt werden soll. Jedenfalls überzeugt uns der Einsatz für die Sicherheit der Bergbahnen und wir steigen voll Zuversicht und mit dem Wissen, was im Hintergrund so alles abläuft, wieder in die Bahn und fahren hinab ins Silbertal.

Wer Roland bei der Arbeit zusehen will, kann im Winter mit ihm Pistenbully fahren, wenn er die Pisten, die Loipe und den Winterwanderweg am Kristberg präpariert. (Foto: Patrick Saely)

Wer Roland bei der Arbeit zusehen will, kann im Winter mit ihm Pistenbully fahren, wenn er die Pisten, die Loipe und den Winterwanderweg am Kristberg präpariert. Jürgen trifft man dagegen in der Saison meist im Panoramagasthof Kristberg an, dessen Inhaber und Chef er ist.

Infos zu den Mitfahrmöglichkeiten und weitere Infos zur Kristbergbahn finden sich unter Kristbergbahn.at

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