Hintergrundgespräch mit Markus Barthold vom Bartholomäberg, seit 1994 Alphornbläser

Das Alphorn wird von Gästen wie Einheimischen mit den Alpen in Verbindung gebracht. Uns hat interessiert, wie das Instrument im Montafon verwurzelt ist und wie es funktioniert. Dazu haben wir uns mit Markus Barthold unterhalten, der mit zu den Ersten gehört hat, die dieses Instrument im Montafon heimisch gemacht haben.

Grundsätzlich wird das Alphorn als eine Erfindung aus dem 16. Jh. meist den Schweizern zugeschrieben, wobei es auch Leute gibt, welche die ersten Alphörner in Österreich vermuten. Fakt ist, dass das Alphorn in der Schweiz zu den Nationalsymbolen gehört und dass es heute auch in Österreich und dem bayrischen Alpenraum anzutreffen ist. Dort, wo es früher Verwendung gefunden hat, diente es vor allem der Verständigung zwischen den Alpen, es wurde aber auch als Hilfsmittel benutzt, um die Kühe auf den Alpen in die Ställe zu rufen, klärt uns Markus auf.

Technik der Tonerzeugung

Das Instrument ist eines der schwierigsten Blasinstrumente überhaupt, gibt Markus zu bedenken. Es ist meistens aus Holz, dennoch zählt es zu den Blechblasinstrumenten. Das liegt an der Technik der Tonerzeugung. Diese ist nur mit den Lippen am Mundstück möglich. Das Alphorn hat keine Ventile wie eine Trompete oder eine andere Möglichkeit, die Rohrlänge zu verlängern wie z.B. eine Posaune, darum ist es an die Naturtöne und die Naturtonreihe gebunden, erklärt  uns Markus. Ansonsten sind die Alphörner praktisch alle gleich, Unterschiede ergeben sich nur über das Mundstück, das es aber erst seit etwa 100 Jahren gibt. 

Die Muntafuner Fee im Interview mit Markus Barthold – hier lesen.

Das Alphorn war schon immer ein langes, spitz zulaufendes Rohr, das am großen Ende gebogen ist. Früher wurden für die Herstellung einfach krumm wachsende Kiefern verwendet. Die Stämme wurden aufgeschnitten, ausgehöhlt und wieder zusammengefügt. Heute wird das Alphorn auch aus anderen Holzarten hergestellt und meist aus einzelnen Teilen zusammengeklebt, die dann in die richtige Form geschnitzt werden.

In den 1970er-Jahren hat Herbert Bitschnau aus Vandans das Alphorn aus der Schweiz ins Montafon gebracht. Herbert war auch Komponist für das Alphorn, er hat nicht nur Volkswaisen komponiert, sondern z.B. auch eine ganze Messe. Seine Kompositionen sind weit über das Montafon hinaus bekannt und werden heute noch gespielt, klärt uns Markus auf.

Wie wird man Alphornbläser?

Im Montafon gibt es noch zwei Gruppen, die sich mit dem Spielen des Alphorns beschäftigen: Die Rätikon Alphornbläser und die Montafoner Alphornfreunde. Bei letzteren ist Markus Gründungsmitglied, wie er stolz erzählt. Denn mit dem Ausscheiden von Herbert Bitschnau haben sich die weit über das Tal und auch übers Fernsehen bekannten Montafoner Alphornbläser 1994 in Montafoner Alphornfreunde umbenannt bzw. umgegründet. Sie sind Teil der Trachtengruppe Schruns und bestehen neben Markus aus Fredy Ganahl, Andi Würbel und Thomas Ganahl.

Wie wird man nun Alphornbläser? Alle von uns haben eine „richtige“ Blechbläservergangenheit, erzählt Markus. Markus selbst ist von Fredy angesprochen worden und hat es einfach ausprobiert. Die Technik und das Notenlesen kannte er aus seiner Vergangenheit bei der Bärger Musik, von daher war der Umstieg nicht so schwer, gibt Markus zu.

Mit den Montafoner Alphornfreunden absolvieren wir rund 40-50 Auftritte pro Jahr, da ist alles dabei, sagt Markus. Das geht von Beerdigungen bis Hochzeiten, Geburtstage, Auftritte bei Firmenevents und natürlich auch im Fernsehen wie dem ORF, Ländle TV etc. Am schönsten sind jedoch meist unsere spontanen Auftritte oder unsere Rundtour an Weihnachten durch die Hotels im Montafon. So kann es gut sein, dass wir einfach nach einem Auftritt noch eine Runde auf dem Kilkaplatz in Schru spielen, weil wir damit eine Gaudi haben, lacht Markus. Dabei finden die Auftritte nicht nur in Vorarlberg statt, auch in Holland, Dubai und London haben die Montafoner Alphornfreunde schon gespielt.

Eine besondere Note

Die Gruppe spielt modernere Stücke genauso wie die typische, etwas getragene Alphornmusik. Dabei sind auch Kombis mit anderen Musikinstrumenten wie z.B. dem Flügelhorn denkbar. Aufgetreten wird in knackigen Lederhosen und trendigen Gilets. Damit und unserem gemischten Repertoire sind wir schon unverwechselbar, meint Markus. Allerdings eignet sich das Alphorn nicht für stundenlange Konzerte, eher für Eröffnungen von Veranstaltungen oder einzelne Stücke bei Events, gibt Markus zu bedenken. Sie verleihen den Events mit ihren Klängen aber oft eine besondere Note!

Dabei kommt es auch immer auf die Umgebung an, wie das Alphorn rüberkommt. Mit resonanzstarken Untergründen wie Steine und Wasser haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, meint Markus, auf einer Wiese z.B. wird zu viel der Akustik verschluckt. Das macht ja auch Sinn, wenn man die Herkunft des Alphorns bedenkt: Aus dem Gebirge und den Alpen. Tradition aus den Schweizer Alpen, im Montafon heute noch modern.

 

Mehr Infos, Bilder und Videos unter:
www.alphornfreunde.com

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