Hintergrundgespräch mit Roland Zudrell, stellvertretender Betriebsleiter und Pistenbullyfahrer der Montafoner Kristbergbahn im Silbertal/Montafon.

Jeden Tag sind die Loipen im Montafon frisch gespurt, sofern Frau Holle genug Schnee über das Montafon ausschüttelt. Eine ziemlich schneesichere Loipe ist die Panoramaloipe von der Bergstation der Montafoner Kristbergbahn bis ins Hochmoor Wildried. Sie ist 9,3 km lang und überwindet 180 gemächliche Höhenmeter.

Arbeitstag von Roland im Winter

Wie die Loipenpräparierung abläuft, darüber haben wir uns mit Roland Zudrell unterhalten und ihn an einem Neuschneetag auf seiner Runde begleitet. Roland ist seit 1988 bei der Montafoner Kristbergbahn und hat familiär bedingt praktisch schon sein ganzes Leben mit der Präparierung von Pisten und der Loipe am Kristberg zu tun. Er hat zwar die Landwirtschaftsschule absolviert, hat dann aber bei der „Bahn“ angefangen und dort auch die Betriebsleiterprüfung absolviert.

Seit 04:30 ist Roland heute Morgen unterwegs, wie er uns erzählt. Sehr praktisch, dass er direkt am Kristberg wohnt, dann kann er sich zu jeder Zeit in einen der Pistenbullys schwingen oder die Beschneiungsanlage optimal auf die Witterung abstimmen. An so einem Tag werden von ihm zunächst die Wege und Zufahrten geräumt, dann ist die Piste dran einschließlich der Spuren für die Schlepplifte, anschließend die Winterwanderwege und zu guter Letzt die Panoramaloipe.

Für die Loipe allein braucht Roland im Normalfall 2 Stunden, bei Pulverschnee geht’s schneller, bei vereistem Altschnee oder sehr viel Neuschnee kann es auch länger dauern. So war das Team auch schon 2 Tage damit beschäftigt, nach starken Schneefällen die Loipe wieder an den Start zu bringen. Dabei fahren wir mit 5-6 km/h bei hartem Schnee und 8-9 km/h bei Pulverschnee, meint Roland. Wobei der Pistenbully auch über 20 km/h läuft, wenn nötig.

Grundsätzlich wird die Piste am Abend präpariert, erläutert Roland, damit der Schnee über Nacht binden kann. Dann hält sie besser über den Tag und es gibt keine Schneehaufen. Bei Neuschnee klappt das meist nicht, denn dann muss am Morgen präpariert werden und der Schnee hat zu wenig Zeit, um sich durch die Kälte zu verfestigen. Bei der Loipenpräparierung verhält es sich genau anders rum, hier ist das Ziel, eine feste, aber dennoch weiche Spur für die Langläufer in den Schnee zu pressen. Darum wird die Loipe immer am Morgen gespurt. Dabei präpariert Roland die Loipe schon bei der Fahrt ins Wildried, damit die frühen Langläufer bereits eine Spur haben. Auf dem Rückweg wird die Loipe aber noch mal komplett frisch gespurt, in derselben Spur fahren, wie das manche glauben, kriegt selbst Roland nicht hin, wie er uns lachend versichert.

Im Einsatz: Pistenbully 100 SCR

Das aktuelle Gerät, das von der Montafoner Kristbergbahn für die Loipenpräparierung eingesetzt wird, ist ein roter Kässbohrer Pistenbully 100 SCR, der im Winter 2019/2020 nagelneu zum ersten Mal in den Einsatz kommt. Er hat das 14 Jahre alte Gerät abgelöst, das nun die Gemeinde Silbertal übernommen hat und das noch locker 10 oder mehr Jahre Dienst machen kann, erklärt uns Roland.

Der neue Pistenbully hat 204 PS, 4 Zylinder und 4,8 Liter Hubraum, ist 5,5 Tonnen schwer und mit den Anbaugeräten über 8 Meter lang. Er kostet inkl. Umsatzsteuer über 170.000 Euro, gehört also zu den kleineren Geräten, denn große Maschinen können auch ganz schnell über 500.000 Euro kosten, gibt Roland zu bedenken. Der Antrieb erfolgt mit einem Hydrostat, also hydraulisch, was dem Fahrkomfort und der Sicherheit zu Gute kommt. Er braucht rund 10-11 Liter Diesel pro Stunde, bei hartem Einsatz in anderen Skigebieten können aber auch 25 Liter verbraucht werden. Der ganze Diesel muss im Herbst am Kristberg eingelagert werden, erklärt uns Roland. Der „kleine“ Pistenbully läuft im Winter zwischen 300 und 350 Stunden, zusammen mit dem großen Gerät kommen wir auf ca. 600 Betriebsstunden, rechnet uns Roland vor. Wir sind seit 2019 Mitglied vom Klimaneutralitätsbündnis Vorarlberg 2025 und gleichen den derzeit noch nötigen Einsatz von Diesel komplett aus, damit wir CO²-neutral sind, erklärt Roland stolz.

Der Pistenbully für die Loipenpräparierung ist vorn mit einem 12-Wege-Schild ausgestattet, das 12-fach verstellbar ist, um den Schnee optimal (ver)schieben zu können. Mit dem Schild verteile ich den Schnee gleichmäßig und ziehe z.B. von Ausweichen Schnee auf die Loipe, wenn das nötig ist, klärt uns Roland auf. Hinten hat der Pistenbully eine Fräse, mit welcher der Schnee zuerst aufgelockert und dann verdichtet wird. Das Set wird durch Spurplatten komplettiert, die hydraulisch die Spuren für die Langlaufski in den Boden pressen.

Für die Pistenpräparierung besitzt die Kristbergbahn noch einen großen Pistenbully, der mit seiner kraftunterstützenden Seilwinde rund 12 Tonnen wiegt. Trotz des großen Gewichts verteilt sich dieses derart über die Ketten, dass der Bodendruck des Monsters pro Quadratzentimeter kleiner ist als der von einem Fußgänger mit normalen Schuhen.

Roland erklärt uns stolz, dass sie nur original Pistenbullys von Kässbohrer nutzen. Das ist der Weltmarktführer für diese Fahrzeuge, gewissermaßen der Mercedes unter den Pistenbullys, schmunzelt Roland. Dabei ist das nicht nur eine Beschreibung, tatsächlich ist der Dieselmotor des Pistenbullys von Mercedes Benz, wobei die ganz neuen Modelle wohl Motoren von Cummins Diesel erhalten werden. Auch hier schreitet die Entwicklung immer weiter voran, Lärm- und Abgasvorschriften müssen eingehalten werden. So führt auch „unser“ Pistenbully AdBlue mit, welches zur Schadstoffreduzierung auch bei PKWs und LKWs eingesetzt wird. Aber für uns ist auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen praktisch rund um die Uhr ein entscheidendes Kriterium, meint Roland, denn die Geräte geben am liebsten an Weihnachten oder dem 1. Januar den Geist auf.

Der Hersteller, die Kässbohrer Geländefahrzeuge AG, hat ihren Sitz in Laupheim, südlich von Ulm in Baden-Württemberg. Die meisten Fahrzeuge verkauft die Firma nach Österreich. Der Konkurrent der Pistenbullys sind die Fahrzeuge der italienischen Marke Prinoth aus Südtirol. Große Skigebiete haben in aller Regel immer Fahrzeuge von beiden Firmen, erklärt uns Roland, damit sie nicht von einem Hersteller zu abhängig sind.

Perfekte Loipe für die Langläufer

Ziel der Arbeit auf der Loipe ist für Roland, dass der Weg möglichst breit ist, häufiger durch den Schneeaufbau sogar deutlich breiter als die Forststraße, die im Sommer wieder zum Vorschein kommt. Denn nur dann haben Langläufer, Fußgänger und die Jäger mit ihrem Raupenquad genug Platz und können gefahrlos passieren. Außerdem muss die Loipe eine „runde Sache“ sein, meint Roland, da dürfen keine Haken in der Spur sein. Diese wären mit dem Pistenbully ohne weiteres machbar, kann er doch auf der Stelle drehen. Runder Fahrstil und eine ruhige Hand sind also Voraussetzung für ein gutes Ergebnis und darum neben jahrelanger Erfahrung auch für einen guten Pistenbullyfahrer.

Die Arbeit mit dem Pistenbully ist ein absoluter Traum, schwärmt Roland. Ein tolles Arbeitsgerät, in Ruhe die Loipe abfahren durch die wilde Natur mit toller Aussicht und den Langläufern eine tolle Piste präparieren, das ist nach seinem Geschmack. Außerdem wird’s bei uns nie langweilig, plaudert Roland weiter. Wir machen den ganzen Service für die Geräte hauptsächlich selbst, bilden uns auch weiter, z.B. bei Schulungen direkt bei Kässbohrer und helfen auch bei der Revision der Bergbahn. Außerdem nehme er ja regelmäßig Leute mit, das ist auch sehr abwechslungsreich. Bei ca. 50% seiner Fahrten begleiten ihn einer oder zwei Passagiere. Außerdem ist Roland aus Funk und Fernsehen bekannt, auf Antenne Vorarlberg wird er regelmäßig zum Pistenzustand interviewt und im Fernsehen war er auch schon mehrfach zu sehen, wie er uns augenzwinkernd erzählt.

Risiken bei der Arbeit vermeiden

Gefährlich kann es allerdings auch werden, gerade bei viel Neuschnee und insgesamt hoher Schneelage muss man schon sehr umsichtig fahren, damit das Gerät nicht abrutscht oder sich gar festfährt. Darum braucht man immer einen sicheren Rückweg, so dass man wieder zurücksetzen kann, wenn es nicht weitergeht, klärt uns Roland auf. Beim Abrutschen besteht zusätzlich die Gefahr, dass sich der Pistenbully aus der Kette herausfährt. Das hatten wir auch schon, stöhnt Roland, dann helfen nur noch Seilwinden und schaufeln, schaufeln, schaufeln….

Aber auch den Weg selbst muss man schon genau kennen, erläutert Roland, denn an der Loipe stehen keine Schneestangen und auch bei viel Neuschnee darf man mit dem Pistenbully nicht gegen verschneite Felsnasen krachen oder gar Richtung Abhang vom rechten Weg abkommen. Und der Endpunkt der Loipe, das Wildried, ist ja ein Hochmoor mit Wasserlöchern, auch da sind wir schon stecken geblieben, verrät uns Roland. Aber ich mache das ja schon lange genug, lacht er. Wenn einer seiner Vertreter (Betriebsleiter Günter Säly oder sein Neffe Lucas Zudrell) unterwegs ist, merkt der aufmerksame Gast schon, dass die Loipe etwas anders gespurt ist, schmunzelt Roland, da habe eben jeder seinen eigenen Stil.

Ganz gefährlich wird es, wenn sich Skifahrer und Fußgänger nicht an Regeln halten. So verunglücken immer wieder Skifahrer, weil sie mit Trassierband und Schilder abgesperrte und damit doppelt gesicherte Pisten befahren, obwohl die Pistenbullyfahrer dort unterwegs sind. Die Seile der Seilwinden sieht man extrem schlecht und leider gab es auch schon Kollisionen mit dem schweren Pistenbully, das geht für den Mensch immer schlecht aus und der Fahrer macht sich auch noch ewig Vorwürfe, sagt Roland bedauernd. Bei uns am Kristberg hatten wir diesbezüglich Gott sei Dank noch nie einen Unfall, ist Roland dankbar. Ich wünsche mir, dass die Leute mehr Respekt vor den sehr schweren, aber eben auch sehr wendigen Maschinen haben – wir sperren nicht umsonst Pisten und fahren mit Rundumleuchte und Warnpiepser, gibt Roland zu Bedenken.

Mitfahrmöglichkeit im Pistenbully

Wer Lust hat, mit Roland oder einem seiner Kollegen bei einem richtigen Arbeitseinsatz mitzufahren, entweder bei der Pisten- oder der Loipenpräparierung meldet sich am besten online auf https://montafon.at/kristberg/de/schneezeit/bergerlebnis an. Bei der Pistenpräparierung können maximal 2 Personen (z.B. ein Elternteil mit Kind) mitfahren, bei der Loipenpräparierung ist im kleineren Pistenbully Platz für maximal ein Elternteil mit Kleinkind. Die Kosten von 20 Euro sind dabei eher eine „Schutzgebühr“ aus unserer Sicht, zumal es noch ein kleines Andenken gibt. Sie sind das Erlebnis allemal wert, so entdeckt man erst, welch riesiger Aufwand und welche Herausforderungen im „bloßen“ Präparieren einer Loipe bestehen – und gleichzeitig erlebt man die tolle Fahrt durch die Natur ins Hochmoor Wildried völlig ohne Anstrengung und in einer warmen Pistenbully-Kabine. 😉 DANKE dafür, Roland!! 

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