Diese Werk ist ebenso einzigartig wie großartig. Auf rund 350 Seiten im Bildbandformat werden die Vorarlberger Trachten dargestellt. Das Buch bringt das aktuelle und historische Wissen rund um das Vorarlberger Trachtenwesen auf den neuesten Stand. Zahlreiche Autoren beleuchten die regionalen Ausprägungen und Erscheinungsbilder, stellen diese in historische Zusammenhänge und ermöglichen deren Einordnung in regionale Kontexte. Namhafte Fotokünstler veredeln das Nachschlagewerk zu einem hochwertigen Bildband. Selbstverständlich kommt auch die Montafoner Tracht in historischer und moderner Ausprägung nicht zu kurz.

Die Trachtenlandschaft in Vorarlberg ist so vielfältig wie das Land selbst, und so wie die Bewohner der Regionen und Talschaften gern auf ihre Eigenarten verweisen, so stolz tragen sie ihre jeweilige Tracht.

Während Jahrhunderten diente diese den Menschen ebenso selbstverständlich als Sonn- und Feiertagsgewand, wie sie wochentags ihre Alltagskleidung oder ihre Alltagstracht (z.B. im Montafon) trugen, und bis weit ins 19. Jahrhundert verfügte man jeweils über eine Garnitur, die oft ein Leben lang getragen wurde.

Die geringe Mobilität und die Abgeschiedenheit alpiner Talschaften führten zu regionalen Besonderheiten, die – neben dem Dialekt – hauptsächlich in der Bekleidung Ausdruck fanden. Bemühungen der Nationalsozialisten, das Trachtenwesen zu ideologisieren, blieben am Ende erfolglos. Aber auch Bestrebungen in den 1950er-Jahren, Tracht als zentrales Merkmal jugendlicher Bekleidungskultur zu etablieren, erwiesen sich als Wunschdenken. Zu stark war der Wunsch der Nachkriegsgeneration, der aufkeimenden und mehr und mehr auch erlaubten Individualität Ausdruck zu verleihen. Ein Wunsch, dem seitens der Modeindustrie nur zu gerne Rechnung getragen wurde und wird.

Dennoch ist es dem Trachtenwesen in Vorarlberg gelungen, in Trachtengruppen und Musikkapellen eine kulturelle Nische zu besetzen und aus ihr heraus in Erscheinung zu treten. Ihnen und der von ihnen gelebten Tradition verdanken wir, dass Trachten heute wieder wahrgenommen, akzeptiert, diskutiert und als bunte Facette einer pluralistischen Gesellschaft verstanden und weiterentwickelt werden.

Die Montafonerin und Herausgeberin des Buches Ulrike Bitschnau ist Landesobfrau des Vorarlberger Trachtenverbandes. Dieser verzeichnet 4500 Mitglieder in knapp 60 Mitgliedsvereinen und ist in Vorarlberg also tief verwurzelt. Ulrike Bitschnau ist mit diesem Band ein unfassbar umfassendes, wertvolles, edles und hochspannendes Werk gelungen. Unter ihrer Leitung sind bereits die Publikation „Die Trachten im Montafon“ und das Malbuch „Ländle-Trachten“ erschienen. Das nun 2022 erschienene Buch krönt ihre unermüdliche Arbeit für die Tradition Tracht. Eine wahre Freude, darin zu lesen, die hochwertigen Bilder anzuschauen und immer wieder neue Aspekte zum Thema Tracht zu entdecken.