Interview mit Heike Ladurner-Strolz, Hotelier, Hotel Zimba, Schruns

Liebe Heike, Du betreibst ein sehr erfolgreiches Hotel mit Deiner Familie mitten in Schruns. Was sind die größten Herausforderungen für einen Hotelier im Montafon?
Wir haben das Glück, dass wir in einer sehr attraktiven Region platziert sind. Dementsprechend sind die Saisonszeiten lang und wir brauchen genügend Mitarbeiter um die Qualität zu halten, besser noch zu steigern.

 

Euer Hotel/Restaurant ist auch für Einheimische und Nicht-Gäste geöffnet. Das halten nicht alle Hotels im Montafon so und viele Einheimische stören sich daran. Warum macht Ihr das und was sind die Vor- und Nachteile?
2003 nach unserem Umbau haben wir uns entschlossen, das große a la Card-Restaurant aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen. Klar war aber immer, dass wir weiterhin auch für Einheimische und externe Gäste offen stehen. Unser Restaurant ist zum Beispiel mittags mit einer kleinen Speisekarte mit speziellen Preisen für in Schruns Beschäftigte geöffnet. An der Hotelbar und im Garten freuen wir uns auch bei den Musikabenden über externe Gäste und auch unser Hallenbad wird genutzt. Schwimmkurse, Babyschwimmen, Wassergymnastik, Sportvereine zum Wassertraining,… um nur einiges zu nennen. Wir sind und wollen ein Teil von Schruns bleiben.

 

Uns würde interessieren, was Dir am meisten Spaß macht bei Deinem Job und was Dich immer wieder stört am Hotelier-Dasein?
Das Beste ist sicher der tägliche Umgang mit Menschen und dass kein Tag mit dem anderen vergleichbar ist. Wir haben mit Gästen zu tun, also mit Menschen, die die schönsten Tage im Jahr im Urlaub erleben möchten. Und diese Erwartungshaltungen zu erfüllen ist heute nicht immer ganz einfach. Leider passiert ist es immer wieder, dass Gäste Ihre Anforderungen geradezu unverschämt formulieren und man sich teilweise schon wundert, dass sie sich überhaupt trauen, anzureisen. Für uns und die ganz Branche ist es wichtig, dass wir stolz auf unser Tun sind. Wir sind keine Diener, wir sind Profis der Leidenschaft und das sollte auch auf Augenhöhe beim Gast ankommen.

 

Du bringst Dich auch politisch ein im Montafon, warst auch schon Bürgermeisterstellvertreterin in Schruns. Was bewegt Dich dazu und was sind Deine Erfahrungen in der Politik im Vergleich zur Unternehmerin?
Jammern, dass nichts passiert war noch nie mein Ding. Nur mit Menschen, die bereit sind, sich für die Allgemeinheit einzusetzen, kann es funktionieren. Uns geht es gut, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, aber die Inputs müssen von uns Wirtschaftlern kommen. Für mich sind die größten Unterschiede zwischen Politik und Hotel die Entscheidungswege – privat wird auf kurzem Wege entschieden in der Politik sind Gremien zu überzeugen und verschiedenste Interessen unter einen Hut zu bringen. Persönlich musste ich erleben, dass alles, was man politisch umsetzt, in diesem Moment schon selbstverständlich ist. Machen wir im Hotel eine Neuerung, haben wir das Lob der Gäste, was schon viel Motivation ist.

 

Jobs im Tourismus sind nicht mehr so beliebt bei den (jungen) Leuten wie vor Jahren. Woran liegts?
Das Thema Lehrlinge, muss man klar sagen, ist kein Tourismusproblem. Heute ist es Fakt, dass eine schulische Ausbildung mit Matura von vielen Eltern, Kindern und auch Lehrern propagiert wird. Also muss einerseits die Ausbildung gestärkt werden und andererseits müssen wir sicher im Tourismus noch das Image der vergangenen Jahre auf heutigen Stand bringen. Die Arbeitszeit wird gerne vorgeschoben, was für mich nicht gilt. Im gesamten Gesundheitswesen sind diese Themen absolut nicht besser zu stellen, wird hier aber akzeptiert. Sicher ist heutzutage eine Planbarkeit sehr wichtig, da die Lebensqualität für viele immer wichtiger wird.

 

Schon, aber ist den Leuten die Arbeit in Hotels und Ferienwohnungen nicht auch einfach zu minderwertig? Kranken Menschen helfen bringt vermutlich mehr Ansehen als Zimmer putzen und im Restaurant bedienen, liegts nicht auch daran?
Das stimmt sicher, darum ist es umso wichtiger, das Image anzupassen. Wenn ich die Arbeit von einem Zimmermädchen im Krankenhaus und im Hotel vergleiche, denke ich, haben unsere Mädchen den einfacheren und angenehmeren Job, ohne ins Detail zu gehen. Im Service ist es sicher wichtig, auf die Fachkenntnisse der Mitarbeiter hinzuweisen. Unser Beruf geht weit über das “bedienen” hinaus und das muss der jungen Generation näher gebracht werden.

 

Im Tourismus wird es immer schwieriger, Arbeitnehmer zu finden. Wie löst Ihr das Problem?
Wir versuchen, unser Team zu halten 🙂 Für uns haben die Mitarbeiter ganz sicher den gleichen Stellenwert wie die Gäste und das macht sich bezahlt. Neue Mitarbeiter zu finden, besonders Fachkräfte ist auch für uns extrem schwierig. Mundpropaganda, AMS (Arbeitsmarktservice/Arbeitsamt Anm. d. Red.) und das Anlernen von ungelernten Kräften ist hier unser Weg.

 

Ihr habt mehrere Auszeichnungen als Arbeitgeber im Tourismus erhalten. Was macht Ihr anders als andere Arbeitgeber?
Wir versuchen unseren Mitarbeitern vorzuleben, was wir uns von Ihnen erwarten, sehen jeden einzelnen Menschen als Persönlichkeit und sind auch über die Arbeit hinaus für sie da. Für uns ist das aber immer schwierig zu beantworten, am besten mit unserem Team reden…

Gerne geben wir die Frage an Adrian Zoppel, Barkeeper im Hotel Zimba weiter: Lieber Adrian, was schätzt Du am Arbeitgeber Hotel Zimba?
Es gibt sehr viel, was es lohnenswert macht, im Hotel Zimba zu arbeiten. Da es oft die kleinen Dinge sind, die wir Mitarbeiter schätzen, würde deren Aufzählung Seiten füllen. Die persönliche Wertschätzung und das Miteinander sind sicherlich das Herzstück. Wir sind wie eine kleine Familie, in der jedes einzelne Mitglied wichtig ist und die es erst zu einer Familie werden lässt.
Wie ist die Tourismussituation im Montafon: Was sind die Ziele, was sind die Probleme?
Wir jammern auf jedem Fall auf sehr hohem Niveau. Das Umfeld passt, um einen guten Job zu machen. Wie wir das umsetzen, liegt dann an jedem von uns selbst. Die Marke Montafon ist angekommen, das Tal wächst zusammen. Die Umsetzung wird ein steter Prozess sein und da heißt es, sich einzubringen. Wir sind sicher prädestiniert für 4 Jahreszeiten, was aber nicht heißen muss, dass immer alle und alles offen haben muss. Eine gute Abstimmung ist aber noch umzusetzen und für mich ist auch wichtig, dass ich, wenn wir zum Beispiel geschlossen haben, auf die geöffneten Betriebe hinweise. Hier haben wir auch am Thema interner Zusammenarbeit im Tal noch was zu tun.

 

Braucht das Montafon wirklich noch weitere Hotels, wie man immer wieder von verschiedenen Stellen lesen und hören kann?
Ich kann die Frage nicht für das ganze Montafon beantworten. In Schruns brauchen wir auf jeden Fall Qualitätsbetten in allen Bereichen, um das Gleichgewicht zwischen Wohn- und Tourismusgemeinde zu halten. Weitere Punkte sind sicherlich die Einnahmen und die Auslastung der Infrastrukturen.

 

Was für einen Tipp gibst Du einem Unternehmer mit, der ein neues Hotel im Montafon eröffnen will?
Er muss das Tal und den Tourismus lieben und sich damit identifizieren können. Unsere Branche braucht Herzblut – wirtschaftliches Denken ist wichtig, darf aber nicht auf Kosten der Qualität und Gastfreundschaft gehen.

 

Wie sieht denn ein Hotel 2030 aus im Montafon, das dann neu gebaut wird? Was ändert die Digitalisierung im Hotelbereich?
Telefonapparate im Zimmer wird es eher nicht mehr geben… 🙂 Spaß beiseite – wir sind bereits mitten in diesem Thema. Oft ist es einem nur gar nicht bewusst. Infos holen wir uns heute regelmäßig über die Technik, Buchungsmaschinen sind bereits Standard, Alexa, Siri und ähnliche Systeme begleiten uns bereits im Privatleben und werden bis 2030 von schneller lernenden Maschinen abgelöst sein, die auch im Hotel dazu gehören werden. “Sympathische” Roboter wie Pepper werden Einzug halten und für direkte Infos sorgen. Ebenso werden gewisse Routinearbeiten maschinell erledigt werde. Aber die Gastfreundlichkeit und die Herzlichkeit wird nicht ersetzt werden können und somit werden immer gut ausgebildete Menschen gebraucht werden.

Liebe Heike, vielen Dank für Deine Zeit und Deine interessanten Antworten!

 

Die Fragen der Montafoner Fee hat Heike auch beantwortet! 🙂