Interview mit Judith Grass, Geschäftsführerin bei GSL Tourismus

Liebe Judith, Du bist seit 2020 Geschäftsführerin bei der Golm Silvretta Lünersee Tourismus GmbH, welche komplett den Illwerken/VKW gehört. Damit warst Du die erste Frau in ganz Vorarlberg, die es in die Geschäftsführung einer Bergbahn geschafft hat. Inzwischen sitzt Du auch im Aufsichtsrat von Montafon Tourismus. Und das alles mit Jahrgang 1986 und als Kind der Region, Du bist ja aus Bürs. Herzlichen Glückwunsch! Aber wie hast Du das geschafft, was ist Dein Erfolgsrezept?
Grundsätzlich glaube ich daran, dass man dann erfolgreich in etwas ist, wenn man es sehr gerne tut. Dann kommt der Erfolg von ganz allein. Bei mir war es so, dass ich schon immer in den Tourismus wollte, ich bin selber sehr bergaffin, von daher passt das für mich perfekt. Ich habe die Tourismusschule in Bludenz besucht, dann studiert und bereits im Studium wurde mir klar, dass mein Traumziel wäre, bei einer Bergbahn zu arbeiten. So habe ich dann die Chance ergriffen, 2012 beim „Golm“ im Marketing anzufangen. Zwei Jahre später hat man mir den Bereich Marketing und Vertrieb als Leiterin anvertraut, 2018 wurde die Aufgabe dann um das Destinationsmanagement erweitert und 2020 kam die Rolle als Geschäftsführerin dazu.

 

Was sind Deine Aufgaben als Geschäftsführerin?
Zusammen mit meinem Kollegen Markus Burtscher leite ich die GmbH. Wir sind zwar beide für alles verantwortlich, haben aber Ressorts, die wir betreuen. Bei Markus liegen Projektentwicklungen und alle technischen Bereiche, was natürlich bei einer Bergbahn sehr viel ist. Mir sind die Bereiche Marketing & Vertrieb, Gastronomie und Beherbergung sowie die Finanzen zugeordnet, einen besonderen Schwerpunkt lege ich übergreifend auf die Themen Nachhaltigkeit, Innovation und Digitalisierung. Insgesamt haben wir mit saisonalen Mitarbeitern rund 200 Leute, die verteilen sich grob in gleichen Teilen auf unsere Bereiche.

Was können wir uns denn unter Nachhaltigkeit bei einer Bergbahn vorstellen? Mehr als Euer Vorzeigeprojekt der Photovoltaik auf einem Dach der Hüttenkopfbahnstation? 😉
(lacht) …natürlich ist das Photovoltaikdach auf der Hüttenkopfbahn ein schön anschauliches Projekt und wir waren damit Vorreiter, aber unsere Bemühungen gehen weit darüber hinaus. Bereits seit 2018 sind wir vom Klimaneutralitätsbündnis 2025 klimaneutral zertifiziert. Für mich ist das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus sehr wichtig, es ist aber noch nicht in der Breite angekommen. Ziel von uns ist ganz klar, unseren CO2-Fußabdruck langfristig weiter zu reduzieren. Das Problem ist, dass das mit ein paar Vorzeigeprojekten nicht zu schaffen ist, vielmehr muss im ganzen Unternehmen in allen Details darauf geachtet werden. So haben wir ein neues Schneemanagementsystem, mit dem wir die Schneekanonen und unsere Pistenbullys ganz genau steuern können, um überall ausreichend, aber eben auch nicht zu viel Schnee zu produzieren und zu verteilen. In der Gastro verzichten wir wo es geht auf Plastik, nutzen biologisch abbaubare Putzmittel, setzen auf regionale Anbieter und arbeiten mit bewusstmontafon (Verein von Landwirten aus dem Montafon, Red.) zusammen. Unsere Werbeartikel bestellen wir vorzugsweise aus dem nahen Deutschland anstatt sie z.B. aus China zu importieren und achten darauf, dass sie wiederverwendbar sind und keine Wegwerfartikel. Wenn noch Papier verwendet wird, ist dies Recyclingpapier und unsere Website ist klimaneutral.

 

Und was können wir von Dir und Euch in den nächsten Jahren in den Bereichen Innovation und Digitalisierung erwarten?
Bergbahnen sind im Bereich Technik schon immer innovativ gewesen. Aber auf der Gastseite haben wir durchaus noch Potential. Das Gästeerlebnis steht im Vordergrund, gerade bei uns im Montafon wollen wir dem Gast sein persönliches Bergerlebnis bieten. Dabei kann ich mir zum Beispiel im Bereich Ticketing noch deutliche Verbesserungen und Digitalisierungsschritte vorstellen. Dennoch soll natürlich im Vordergrund stehen, dass der Gast unsere Bergwelt am besten das ganze Jahr direkt erleben und spüren kann. Augmented Reality ist sicher eine super Angebotsergänzung, ersetzt aber für uns niemals das direkte Gefühl, in der Natur zu sein. Gerade auch Kinder, die für uns eine wichtige Gästegruppe sind, wollen wir eher hinter dem Handy hervorlocken und direkt in die Berge entführen, als dass sie die Berge nur über eine digitale Schnittstelle erleben.

 

Welche Herausforderungen siehst Du sonst auf Dich und Deine Branche zukommen?
Wie Du das schon mit Heike für die Hotelbranche thematisiert hast, lieber Patrick, ist auch bei uns das Thema Arbeitskräfte und Mitarbeiter sicher eine der größten Herausforderungen für die nahe Zukunft. Wir brauchen qualifiziertes Personal, welches auch mit Enthusiasmus den Job ausfüllt. Für unser neues Hotelprojekt in Latschau (5 Sterne Hotel Falkensteiner, Red.) hoffe ich, dass wir auch viele Einheimische als Mitarbeiter begeistern können. Sicher sind die Arbeitszeiten mit Wochenende und am Abend im Tourismus eine Herausforderung für manche, wir hoffen aber, mit spannenden Konzepten attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können. Für uns in der Geschäftsführung gilt es, die Begeisterung vorzuleben und die Mitarbeiter zu motivieren umso gemeinsam unsere Ziel erreichen zu können – den Gästen ein bestmögliches Bergerlebnis in unserer Gebieten zu bieten!

 

DANKE, liebe Judith, für den sympathischen Einblick in Deinen Berufsalltag und Deine Karriere, weiterhin von Herzen viel Freude und Erfolg dabei!

Im Gespräch: Judith Grass, Geschäftsführerin bei GSL Tourismus