Seit 2009 gibt es das zentrale Heizkraftwerk in Schruns. Zahlreiche Gerüchte und Halbwissen geistern zu diesem Heizkraftwerk durch das Tal, also höchste Zeit für uns, dem Geschäftsführer der Anlage, Georg Stampfer, einen Besuch abzustatten und Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Abnehmer der Wärme und des Ökostroms

Im Grundsatz liefert die naturwärme-montafon durch Verbrennen der Hackschnitzel Wärme, diese wird durch das 17 km lange und unterirdische Heißwasserleitungsnetz an die Abnehmer verteilt. Ein Teil dieser Wärme wird auch für die Stromproduktion genutzt. Über ein Träger-Medium wird ein Öl verdampft, dass dann eine Turbine und einen Generator antreibt. So wird aus Verbrennung von heimischem Hackgut Ökostrom produziert, der ins Netz eingespeist wird. Der eingespeiste Strom ist als Ökostrom anerkannt und wird dementsprechend gefördert. Momentan ist diese Förderung bis 2021 geregelt. Dann, so hofft Georg, kommt der sogenannte „Folgetarif für Ökostromanlagen“, um den wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Ökostromproduktion zu ermöglichen.

Der Betrieb der Anlage ist sehr flexibel und kann direkt dem Bedarf angepasst werden, was bei Ökostrom eine willkommene Sonderstellung zur Photovoltaik und dem Windstrom darstellt. Im Jahr liefert die naturwärme-montafon rund 14,5 Mio kWh an Wärme an ihre Kunden und 2,5 Mio kWh Strom ins Netz, das entspricht einer Heizöl-Ersparnis von ca. 1,5 Millionen Litern. Damit ist noch Luft nach oben, bis zu 20 Mio kWh Wärme könnte das Kraftwerk liefern.

Der Betrieb hat inzwischen rund 270 Abnehmer in Schruns, Tschagguns und Bartholomäberg (Gantschier). Bei diesen Wärmeabnehmern sind Einfamilienhäuser genau so dabei wie Werkstätten, Schulen und mehrere große Hotels, Geschäfts- und Wohnhäuser.  Das neue TUI Hotel in Tschagguns oder das im Bau befindliche  Alpstein-Projekt am Standort des früheren Kurhotels wurden diesen Sommer an das Netz der naturwärme-montafon angeschlossen.

Dabei bietet das Kraftwerk einen Rundumservice, können Georg und sein Mitarbeiter doch per PC, I-Pad und Handy die gesamte Anlage von überall her steuern und die Heizungen (Übergabepunkte) seiner Kunden überwachen, damit auch stets alles funktioniert.

Herkunft des Heizmaterials

Interessant ist natürlich, ob die mit dem Bau beabsichtigten Ziele erreicht worden sind. Einerseits wirtschaftlich, andererseits auch, lokales Brennmaterial zu verwenden, um möglichst nachhaltig Wärme und Ökostrom produzieren zu können.

54% der Biomasse, die den zwei Kesseln im Kraftwerk in Form von Hackschnitzeln zugeführt werden, stammen direkt aus dem Wald, sind also Waldhackgut, erläutert uns Georg. Im Montafon spielt die Schutzwaldbewirtschaftung eine große und überlebenswichtige Rolle für das Tal. Hier fällt viel Holz an, das anderweitig, wie z.B. als Bau- oder Möbelholz, nicht verwendet werden kann. Dies wird dann der naturwärme-montafon angeliefert, die es zu Hackschnitzeln verarbeitet und verbrennt. Andere große Quellen sind Holzreste und Sägespäne aus der Sägeindustrie, die von den Sägewerken der Region geliefert werden.

Titelbild: Im Heizkraftwerk in Schruns geht’s heiß her – wir haben hinter die Kulissen geblickt.

Informationen aus erster Hand: Geschäftsführer Georg Stampfer in seinem Element.

Rund 80% des gelieferten Holzes kommen aus Vorarlberg und 20% stammen aus dem süddeutschen Raum. 50%  der gelieferten Gesamtmenge (rund 15.000 Srm) kommen aus dem Montafon. Wir müssen uns bei den Lieferanten auf mehrere Zulieferer stützen, damit wir den möglichen Ausfall eines Lieferanten (zb. Insolvenz, Brand im Sägewerk etc.) kompensieren können, führt Georg aus. Denn wir müssen gerade im Winter rund um die Uhr Wärme liefern, da darf es im Sinne der Kunden keine Ausfälle geben.

Beim Holzbezug achten wir auch auf die Bedürfnisse der Lieferanten, so Georg. So sind im Winter im Montafon keine Holzschlägerungen möglich aufgrund der Lage der dann meist stark verschneiten Wälder. Auch die Sägewerke sind im Winter nicht böse, wenn sie nicht liefern müssen, können sie im Winter ihr Sägerestgut (kein Abfall) auch anderweitig verkaufen.

Normalerweise hat das Heizwerk vor der Heizsaison aber so viel Holz und Hackschnitzel auf Lager, dass es rund 3 Monate ohne neue Belieferung klarkommen würde, erläutert uns Georg.

Holz von Montafoner Kleinwaldbesitzern, Alpen oder Güterwerggenossenschaften wird vom Heizwerk jederzeit angekauft. Davon werde z.B. bei Schneebruch oder Käfertannen (vom Borkenkäfer befallene Tannen, die gefällt werden müssen) auch regen Gebrauch gemacht, so Georg.

Der Preis ist für alle Lieferanten derselbe und wird immer transparent auf der Webseite www.naturwaerme-montafon.at veröffentlicht. Derzeit liegt er bei rund 38-40 Euro pro Festmeter Holz. Dabei wird das reine trockene Holzgewicht bezahlt. Dafür wird eine Probe des angelieferten Holzes in den Trocknungsofen gegeben, aus der Gewichtsdifferenz wird der Wassergehalt ermittelt und beim Gewicht der Ladung abgezogen, erläutert Georg das faire und durch die Holzforschung Austria zertifizierte Verfahren. Der Wasseranteil kann durchaus 30-50% betragen, das sind keine Lappalien.

 Umwelttechnik und CO2-Belastung

Die reine Verbrennung von Holz ist CO2-neutral, die Verbrennung gibt genau so viel CO2 ab, wie der Baum in der Wachstumsphase verbraucht hat. Natürlich führen die Belieferung und der Betrieb des Heizwerks auch zu einer Umweltbelastung. Zwar wird vom Heizwerk nur Vorarlberger Ökostrom bezogen und mit der eigenen Wärme geheizt, die Holzanlieferungen erfolgen aber komplett über die Straße und den LKW. Bei rund 30.000 Kubikmeter Holz pro Jahr sind das einige Fuhren, wenn man bedenkt, dass selbst auf einen großen Lkw “nur” rund 85 Kubikmeter Hackgut passen.

Die Anlieferung mit der Bahn ist zwar theoretisch möglich, weil das Kraftwerk direkt am Bahngleis der Montafonerbahn liegt, das Problem ist aber, dass die Lieferanten meist kein Gleis am Sägewerk oder gar im Wald haben. Und die Umladerei ist bei den kurzen Strecken sehr aufwendig und damit zu teuer.

Leider auch nicht CO2-neutral ist der Ölverbrauch des Kraftwerks. Dieser ist allerdings mit rund 15.000 Litern pro Jahr eher minimal im Vergleich zum Ausstoß von Wärme und Strom. Das Öl wird vor allem zu Revisionszwecken oder für den Probebetrieb benötigt. Ein Regelbetrieb mit Heizöl gibt es nicht, versichert Georg, dazu hätte das Kraftwerk schon viel zu wenig Lagermöglichkeiten für Heizöl.

Die Rauchgase werden im Heizkraftwerk aufwendig gereinigt. Der sich derzeit in allen Medien findende Feinstaub wird mit einem speziellen Elektrofilter aus dem Rauchgas gefiltert und als Sondermüll entsorgt. Eine solch teure Reinigungsanlage könnte von einzelnen Haushalten oder auch Betrieben nicht gestemmt werden. Hierin sieht Georg den klaren Vorteil einer regional-zentralen Heizanlage.

Betrieb der Anlage

Im Sommer kann häufig (rund 100 Tage) kein Strom produziert werden, weil zu wenig kaltes Wasser von den Kunden zurückkommt, dieses wird jedoch zur Kühlung des Silikonöls im Generator benötigt. Andere Kraftwerke “blasen” die Wärme dann in den Himmel, bei uns hat man sich bewusst gegen diese Lösung entschieden, so Georg.

Insgesamt hängt natürlich bei der Wärmelieferung sehr viel von der Witterung ab. Bei angesagter Eiseskälte, die im Montafon auch Tage oder Wochen unter -10 Grad Celsius liegen kann, bereiten Georg und seine Mannen das Kraftwerk entsprechend vor, damit alles reibungslos läuft und niemand frieren muss. Georg schmunzelt zum Thema Kälteeinbruch mit den Worten: “Dahem reuts mi, im Kraftwerk freuts mi.”

Insgesamt wird das Heizkraftwerk wirtschaftlich betrieben. Dennoch erhalten die Gesellschafter (Gemeinden Schruns, Tschagguns, Bartholomäberg, Forstfonds Montafon und Montafonerbahn) keine Ausschüttung, das erwirtschaftete Geld wird zur Tilgung der Kredite bei den Banken eingesetzt, waren doch die Investitionskosten mit rund 17 Mio. Euro für Kraftwerk und Leitungsnetz nicht gerade gering.

Georg erzählt uns, dass er von Haus aus eigentlich “Seilbahner” ist, er war vor seinem Job beim Kraftwerk viele Jahre im Skigebiet Nova in der Technik tätig. Dort habe er eine viel höhere Standardisierung erlebt, die ihm im Kraftwerk fehlen würde. Hier wäre es viel schwieriger und aufwendiger, die individuelle und komplexe Technik zu warten und z.B. Ersatzteile zu erhalten.

Er hat direkt ca. 2,5 Mitarbeiter im Kraftwerk, kann sich aber bei Bedarf weiterer Externer bedienen. So lange wir unsere Hausaufgaben machen, wie z.B. die Aschecontainer leeren und den Nachschub an Holz sicherstellen für die Anlage, so lange läuft die Maschinerie weitgehend selbständig, erklärt Georg stolz und verweist auf die komplett IT-gestützte und hochkomplexe Steuerung der Anlage.

Fazit

Abschließend sieht Georg das Kraftwerk als Erfolgsprojekt, das auch absolut zukunftsfähig sei, denn fossile Brennstoffe würden mit Sicherheit immer teurer im Laufe der nächsten Jahre. Und vom Holz wird im Montafon wie in ganz Österreich nach wie vor deutlich weniger genutzt als nachwächst.

Wer Interesse an der Technik des Kraftwerks hat: Für Gruppen bietet das Kraftwerk auch Führungen an, gerade Fachhochschulen, Forstleute und Landwirte machen davon regen Gebrauch.

Wir danken dem engagierten Leiter der naturwärme montafon, Georg Stampfer, ganz herzlich für die detaillierten Infos und offenen Worte und wünschen ihm für seine Aufgabe im Kraftwerk und im Übrigen natürlich auch für sein politisches Amt als Stellvertretender Bürgermeister von Bartholomäberg weiterhin Glück und Erfolg!

Wir wünschen uns, dass es in Zukunft gelingt, den Holzbezug auf einen noch engeren Radius zu beschränken, ohne das operationelle Risiko deutlich zu erhöhen, um die Fahrten der LKW zu reduzieren und die Ökobilanz des Kraftwerks weiter zu verbessern.

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