3-Stufen-Landwirtschaft

Im Mai sind wir jedes Jahr mit Kühen, Rindern, Schweinen, Hennen, Kind und Kegel auf unseren Maisäß am Torasee gezogen. Dort hat unser Vieh ca. 3 Wochen auf der Wiese geweidet, bevor man Kühe und Rinder auf die Alpe Latons weitergeschickt hat. Dort wurden sie dann nicht mehr von uns, sondern von den Alp­hirten betreut. Der Alpsenn hat auch Käse und Butter aus der Milch hergestellt. Unser Anteil haben wir dann im Herbst als Butter und Käse erhalten. Das Maisäßleben war für uns Schulkinder sehr schön, aber auch sehr anstrengend.

 

Denn am Morgen mussten wir zu Fuß ca. 500 Höhenmeter absteigen bis zur Schule neben der Kirche Innerberg. Um 11 Uhr war die Schule aus, dann sind wir für das Mittagessen wieder aufgestiegen zum Torasee und um 13 Uhr mussten wir wieder unten in der Schule sein. Dies bei Wind und Wetter und mit unseren Schuhen („Knospen“), die aus einer Holzsohle und einer Lederoberfläche zusammengesetzt waren. Manchmal hat es auch geschneit, auch dann marschierten wir vom Maisäß zur Schule und zurück. Öfter haben wir dann die Vorräte auf dem Maisäß aufgestockt, in dem wir von unserem Bauernhof („­Hemat“) verschiedene Lebensmittel wie Mehl, Kartoffeln, Gemüse etc. hochgetragen haben.

Einmal musste ich mit 11 Jahren für meinen Onkel auf der Parzelle „Fulateia“ bei seinen Kühen Milch holen. In dieser Parzelle waren Maisässe, auf denen die Milchkühe weideten, um auch dort die Flächen zu bewirtschaften und ausserdem auch Milch für die Familie zu Hause zur Verfügung zu ­haben.  Es regnete wie aus Kübeln.

Mit einer großen, vollen 10-l-fassenden Milchkanne („Milchbazide“) auf den Rücken geschnallt bin ich von der Fulateia wieder nach Hause abgestiegen. Der Regen durchweichte meinen Mantel, das Wasser rann mir in den Kragen und lief mir den Rücken hinab, bis es mir bei den Füßen wieder auslief. Bei meinem Onkel in der Küche bot man mir dann für die geleistete Arbeit eine Jause an, die ich aber aufgrund der totalen Durchnässung und des Frierens dankend ablehnte. Ich hinterließ in der Küche lediglich eine riesengroße Wasserlache am Boden.

 

Hilda Erhard, Bartholomäberg, Jahrgang 1936

Fotos: Manfred Schlatter

Gemeindewerk für die Alpe

Zur Alpsömmerung der Rinder in einer Alpe müssen von den Landwirten Arbeitsstunden verrichtet werden. Je nach Alpe sind unterschiedlich viele Stunden pro Tier zu leisten. Einmal musste ich mit meinem Vater nach Partenen auf die Verbella Alpe Gemeindewerk verrichten. Mit dem Postbus sind wir bis nach Partenen gefahren und zu Fuß bis in die Alpe aufgestiegen. Dort haben wir dann in der urigen spärlich eingerichteten Steinhütte übernachtet. Ein starkes Gewitter hat uns in der Nacht überrascht. Am nächsten Tag verrichteten wir anstrengende Arbeiten, wie Steine aus den Wiesen räumen, entfernen von Büschen zur Freilegung von Weidegängen usw. bis wir dann am Abend wieder ins Tal abstiegen mit dem Bus nach Schruns fuhren und von dort wieder auf den Maisäß am Torasee zu unserer Familie marschierten.

Mehr Infos: Maisäßlandschaft und 3-Stufen-Landwirtschaft