Über mehrere Jahrhunderte wurde italienischer Wein über Saumwege auf dem Rücken der Pferde aus dem Veltlin (italienisch: „Valtellina“) von Tirano durch das Puschlavtal (Poschiavo) und das Engadin nach Davos, Klosters und weiter über das Schlappinerjoch ins Montafon und über Gargellen nach Schruns transportiert. Dann wurde der Wein aus dem italienischen Veltlin in wohlhabende Häuser nach Deutschland geliefert. Vom Montafon aus wurde über die Via Valtellina Vieh in die Lombardei exportiert, maßgeblicher Umschlagplatz für den Viehhandel war der Schrunser Markt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts war die Säumerei dann aufgrund des Straßen- und ­Eisenbahnbaus nicht mehr rentabel und wurde eingestellt.

Die Via Valtellina lässt sich im Sommer wunderbar erwandern. Die sehr abwechslungsreiche Route beläuft sich auf ca. 150 km und führt von Schruns über das Schlappinerjoch, Klosters, Davos, Zuoz, Samedan und Pontresina über den Berninapass und Poschiavo nach Tirano. 80% entfallen dabei auf Graubündner Grund. Die Gesamtgehzeit beträgt ca. 43 – 45h und die Strecke ist auch ohne Hochgebirgserfahrung in 8 Tagen gut machbar. Von Tirano kann man mit der Rhätischen Bahn (www.rhb.ch) nach Chur zurückfahren, von dort mit Bus oder Bahn über Feldkirch zurück ins Montafon. Der Montafoner Teil von Schruns bis ans Schlappinerjoch ist in gut 7h erwanderbar.

Wem das Wandern zu anstrengend ist oder wer die Strecke gemütlich im Winter genießen will, sollte über einen ein – oder besser zweitägigen Ausflug vom Montafon nachdenken. Dazu bietet sich eine Zugreise durch die Schweiz nach Italien an. Unsere Empfehlung ist die Fahrt mit dem Auto nach Landquart (CH), von dort in rund 4h mit dem Bernina Express der Rhätischen Bahn über den sensationell schönen Albulapass und weiter über die Hochgebirgslandschaft am Berninapass/Ospizio Bernina, vorbei an der Alp Grüm und hinunter nach Tirano. Dabei überquert die Bahn den weltberühmten Landwasserviadukt ebenso wie das Kreisviadukt bei Brusio.

 

Im Bild: Die Streckenführung ist abenteuerlich und auch für Nicht-Eisenbahn-Fans ein Genuss.

Hotel Ostello del Castello.

 ©Rhaetische Bahn/Christof Sonderegger

Die Streckenführung ist abenteuerlich und auch für Nicht-Eisenbahn-Fans ein Genuss, bewältigt die Schmalspurbahn doch den Alpenhauptkamm ohne Zahnradunterstützung nur durch eine ausgefeilte Streckenführung. Die Rhätische Bahn bietet nach unserer Erfahrung außerdem ein außerordentlich professionelles Bahnerlebnis. Sehr freundliches Personal, verlässliche Fahrpläne, extrem saubere Züge und Bahnhöfe, davon könnten sich manch größere Bahnen ein paar Scheiben abschneiden.

In Tirano, dem Endpunkt der Bahn und dem Endpunkt der früheren Via Valtellina lässt sich italienisches Flair genießen. Möglichst übernachten und die Atmosphäre des vom engagierten Betreiberpaar weitgehend in Eigenregie umgebauten alten Bauernhofs im Ostello del Castello genießen (www.ostellotirano.it).

Am nächsten Tag mit der Bahn zurück, wobei sich wunderbar ein Aufenthalt in St. Moritz einplanen lässt, bevor man über den Vereinatunnel und Klosters oder auch wieder über die Albula­strecke zurück in den Norden fährt.

Und wer wirklich nur einen Tag Zeit hat oder wer den Bernina Express bereits zum wiederholten Mal genießen kann, dem empfehlen wir, die Fahrt nur bis Alp Grüm zu machen, dort mit sensationeller Aussicht eine kurze oder längere Pause mit Mittagessen plus einer kleinen Wanderung einzulegen, bis der Bernina Express von Tirano nach rund 4 Stunden wieder zurückkommt und man die Rückreise antreten kann! 

Reisebericht

von Thomas und Claudia Lenfers über eine Fahrt nach Tirano

Die Glücksfee hat es gut mit uns gemeint und uns eine Fahrt mit dem berühmten “Bernina-Express” beschert, was sich als ein  grandioses und unvergessliches Erlebnis herausstellen sollte.

Als höchste Bahnstrecke über die Alpen verbindet die Albula/Berninalinie der Rhätischen Bahn, die damit zu einem der UNESCO Welterbe gehört, den Norden Europas mit dem Süden. Die Strecke führt auf 122 Kilometern durch 55 Tunnels und über 196 Brücken, wobei ein gewaltiger Höhenunterschied bewältigt werden muss: Von Chur/Schweiz (584 m) geht es über das Ospizio Bernina (2253 m)  hinunter nach Tirano/Italien (429 m).

Ausgeschlafen und nach einem reichhaltigen und guten Frühstück im Hotel in Chur, der ältesten Stadt der Schweiz,  machten wir uns auf den Weg zum nahegelegenen Bahnhof und nahmen im sehr komfortablen Panoramazug in der 1. Klasse Platz. Von hier aus ging es durch die burgenreiche Gegend in Graubünden vorbei an Tomilis/Rothenbrunnen durch die finstere Schinschlucht und über den rund 90 m hohen Solisviadukt ins Albulatal.

Der bekannte Landwasserviadukt, der mitten in eine senkrechte Felswand hineinführt, und weitere kleinere Brücken, Viadukte und Kehrtunnels führten immer weiter nach oben, bis sich nach dem Albulatunnel das Engadin vor uns ausbreitete. Zu dieser Jahreszeit waren die Wiesen noch mit bunten Frühlingsblumen übersät so weit das Auge reichte. Vorbei an Pontresina ging es immer höher hinauf zu den Gletschern des Berninamassivs, die hier zum Greifen nahe lagen. Auf dem grünen Wasser des Lago Bianco am Ospizio Bernina trieben noch vereinzelte Eisschollen des vergangenen Winters und etliche Schneefelder reichten noch bis an den See. Auf der Alp Grüm gönnte uns der Lokführer einen viertelstündlichen Aufenthalt in der herrlich frischen Bergluft mit toller Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel und dem Blick auf den tief unten liegenden See bei Poschiavo im Valposchiavo in der Ferne. Von jetzt an ging es in zahlreichen Kurven steil bergab, über den berühmten Kreisviadukt in Brusio nach Tirano, dem Hauptort der italienischen Provinz Sondrio im oberen Veltlin, das nach knapp viereinhalb Stunden erreicht war.

Hier wurden wir mit sehr milden Temperaturen und dem typisch italienischen Flair empfangen. Anstelle von Pizza gleich neben dem Bahnhof der Rhätischen Bahn – die hier nämlich ihren eigenen Bahnhof hat –  machten wir uns auf den Weg zu der 1 km entfernten frühbarocken Wallfahrtskirche Madonna di Tirano (erbaut ab 1505). Von außen sehr schlicht gehalten ist der Innenraum überaus reich gestaltet mit unzähligen Figuren und Bildern bis in die Kuppel und in den letzten Winkel – man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bei einer Pizzaschnitte und kurzer Rast an der Kirchenfassade hatten wir die Piazza Basilica voll im Blick und beobachteten die mitten über die Straße fahrenden Zügen der Rhätischen Bahn  – unter anderem auch den Glacier-Express – , ehe wir wieder zurück zum Bahnhof liefen.

Nach dem etwa eineinhalb stündigen Aufenthalt konnten wir auf der gleichen Strecke – dieses Mal jedoch natürlich von Tirano nach Chur – alles nochmals sehen und genießen. Leider fielen da dann streckenweise auch einige Regentropfen, aber die Sicht auf die tolle Bergwelt blieb trotzdem erhalten und einiges, was wir auf der Hinfahrt übersehen hatten, fiel uns jetzt auf. Man kann diese Strecke tatsächlich mehrmals fahren und wird immer wieder etwas Neues dabei entdecken. Den Tag ließen wir dann bei einem guten schweizerischen Abendessen in der Altstadt von Chur ausklingen und waren noch immer voll überwältigt von den vielen Ereignissen der vergangenen Stunden, die viel zu schnell vorbei gingen, die aber jede Menge tolle Eindrücke und schöne Erinnerungen hinterließen.

Wir bedanken uns hier nochmals ganz herzlich bei Patrick und Daniela von Silberberg Montafon, die uns dieses Erlebnis durch unsere Teilnahme an ihrem Preisausschreiben ermöglicht haben und ganz besonders natürlich der Glücksfee, die unsere Namen aus dem Lostopf “herausgefischt” hat.