Interview mit Olivia Immler, Hüttenwirtin der Neuen Heilbronner Hütte im Verwall/Gaschurn.

Servus Olivia, Du bist ja eine sehr junge Hüttenwirtin. Was hat Dich zu dem Job gebracht?

Meine Eltern. Mein Papa Fredi Immler war seit dem Jahr 1977 Hüttenwirt hier oben und ich bin praktisch seit meiner Geburt im Sommer hier aufgewachsen. Damals hatten wir an wichtigen Ferientagen sogar noch im Winter geöffnet, das geht heute nicht mehr. So war die Übernahme für mich ein logischer Schritt, ich könnte mir ein Leben ohne die Hütte und die Nähe zu den Bergen einfach nicht vorstellen.

Wie sieht Dein Tagesablauf aus in der Hütte?

Wenn ich Frühstücksdienst habe, den ich mir mit meinem immer noch mitarbeitenden Papa teile, dann steh ich um 05:30 auf. Nach dem Frühstück mach ich dann Büroarbeit, Gästeanfragen beantworten, Buchungen verwalten, Bestellungen aufgeben etc. Dann kommt das Mittagsgeschäft, hier helfe ich wie immer überall mit, im Service, als Springer, einfach als Mädchen für alles. Wir haben dann bis am Abend das Tagesgeschäft. Durch die Biker haben wir viel mehr und vor allem länger Tagesgäste, also Gäste, die zwar zum Essen und Trinken kommen, aber bei uns nicht übernachten. Nach dem Abendessen treffe ich dann noch Vorbereitungen für den nächsten Tag, wir setzen Limonade an, kochen Marmelade etc. Das geht halt nur am Abend, davor ist einfach keine Zeit dafür.

Wie läuft das mit Deinen Mitarbeitern, wo kommen die her und was haben die für Arbeitszeitmodelle?

Wir haben zum Glück sehr viel Stammpersonal, eine Familie ist schon über 30 Jahre dabei, aber auch viele andere arbeiten schon Jahre auf der Neuen Heilbronner Hütte. Wir sind wie eine Familie inzwischen, anders geht das auch mit der Enge nicht, in der wir den ganzen Tag leben. Es gibt aber immer mindestens einen Tag frei in der Woche, dann fahren die Leute am Abend hinunter und kommen erst am übernächsten Morgen zurück. Ansonsten ist bei uns schon sehr viel zu tun, wir sind nur 12 Leute in Vollbesetzung und werfen gemeinsam das gesamte Geschäft einschließlich Bettwäsche waschen, Aufräumen, Kochen, Service, Gäste beraten usw. Insgesamt ist es wichtig, dass die Leute gern hier arbeiten, wir haben auch viele Einheimische, die unsere Arbeit und unser Team hier schätzen. Wir hatten mal eine Praktikantin, die mir nach ihrem Aufenthalt geschrieben hat, wie toll sie das Team fand und wie motivierend das ist, wenn auch die Chefs überall mitarbeiten. Das hat mich sehr berührt und macht mich auch stolz auf unsere gemeinsame Arbeit hier oben.

Wie viele Betten habt Ihr und findet man bei Euch immer ein freies Bett oder muss man reservieren?

Wir haben einen brutalen Zulauf und empfehlen unbedingt eine Reservierung, vor allem in den Monaten Juli und August und immer von Freitag bis Dienstag, das sind die stärksten Tage. Mit dem Winterhaus haben wir 134 Schlafplätze. Das muss man sich aber nicht als Massenlager vorstellen, wir haben 3-,4-,6-Bett-Zimmer, 6er Lager und für Gruppen ein 14er Lager. Der Zuspruch ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Wandern ist auch bei den jungen Leuten wieder „in“ und die E-Biker sind ein völlig neues Klientel, das uns wegen unserer Lage stark frequentiert.

Olivia Immler

Was bietet Ihr Euren Gästen kulinarisch und wie bewältigt Ihr die Lebensmittellogistik?

Also wir achten auf regionale Gerichte und bieten Sachen wie Muntafuner Krautspätzle, Muntafuner Krautsoppa und den Vorarlbörger mit Keesknöpfle-Patty an. Wir sind aber auch modern und vegan unterwegs und haben z.B. Gerichte wie Erdnuss-Süßkartoffelauf-Eintopf, unsere veganes Beerenfrühstück, einen Goji-Ingwer-Shot und Goldene Heumilch mit Kurkuma im Programm. Tradition trifft Moderne passt bei uns gut, außerdem die alten Gastronomieweisheiten, die mir meine Eltern schon mitgegeben haben: Essen, Trinken, Sauberkeit. Dabei binden wir regionale Lieferanten ein, also aus dem Montafon oder mindestens aus Vorarlberg, wenn es irgendwie geht. So beziehen wir z.B. unsere Dinkelnudeln aus Satteins oder unsere Edelbrände von Schobel aus Höchst. Wir sind schon so Richtung Genusshütte unterwegs, der Erfolg bei den Gästen mit der Ausrichtung zeigt uns, dass wir nicht völlig falsch liegen damit.
Da unsere Lagerkapazitäten begrenzt sind, haben wir täglich einen VW-Bus am Start, den meine Mama pilotiert. Sie bringt uns jeden Morgen frische Ware und was uns halt sonst so fehlt. Wir lagern zum Saisonstart nur Bier und – vorwiegend österreichischen – Wein aus unserer reichhaltigen Weinkarte ein. Davor müssen wir aber meist erst mal den Weg auffräsen, dieses Jahr war die Schneefräse 8 Tage unterwegs, bis wir die Hütte erreicht hatten. (Video zur Schneefräsaktion 2019)

Kannst Du uns etwas zur Geschichte der Hütte erzählen?

Die ursprüngliche Heilbronner Hütte stand in Südtirol, der DAV wurde aber 1919 nach dem ersten Weltkrieg von den Italienern enteignet und so fiel die Hütte an den CAI, quasi den Italienischen Alpenverein. 1932 ist sie dann ohnehin abgebrannt. Wir sind darum die Neue Heilbronner Hütte, deren Standort sich die Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins ausgesucht hat. Dabei sind wir gar nicht wirklich neu, auch wenn es dank dauernder Renovierung vielleicht so aussieht: Die Hütte steht hier seit 1926. Der letzte große Ausbau war 2001-2003. Zum Glück ist die Sektion Heilbronn des DAV sehr geschickt und lässt bei uns Handwerksschulen arbeiten, die das mit großem Engagement machen, so sind wir immer auf einem aktuellen Stand.

Die Hütte gehört dem Deutschen Alpenverein, der Sektion Heilbronn. Wie grenzen sich da die Aufgaben und Verantwortungen zwischen dem Alpenverein und Dir als Hüttenwirtin ab? Bist Du dort angestellt oder hast Du die Hütte gepachtet?

Ja, wir sind Pächter der Hütte, die Aufgaben für das gesamte Gebäude wie Ausbau, Modernisierung und Instandhaltung obliegt dem Alpenverein. Wir kümmern uns um den laufenden Betrieb, also Bewirtung, Reinigung, kleinere Reparaturen, Betten, Dekoration etc. Mein Ansprechpartner bei der Sektion ist der Hüttenwart, wir stimmen eng ab, wie wir vorgehen. Toll ist auch, dass der Alpenverein gerade zum Saisonstart mit Freiwilligen kommt, die sich z.B. um die Instandsetzung der Wanderwege rund um die Hütte kümmern.

Was machst Du im Winter, wenn die Hütte geschlossen hat? Endlich Urlaub? 😉

Ja, ich versuchs, ich habe bisher aber auch im Büro der Skischule in Gaschurn gearbeitet, die mein Papa leitet. Ab nächstem Winter werde ich das aber nicht mehr machen, neben Urlaub verfolge ich mein Studium Tourismusmanagement. Aber auch sonst würde ich nicht nur daheim sitzen, ich muss halt immer was tun…..*schmunzelt*

DANKE, liebe Olivia, für Deine Zeit und Deine Einblicke in das Hüttenleben. Wir wünschen Dir weiterhin viel Spaß und viele erfolgreiche Jahre auf der Neuen Heilbronner Hütte!

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