Interview mit Simon Zugg aus Tschagguns, Jahrgang 1990.

Servus Simon, wir treffen uns hier in Deiner kleinen, feinen Werkstatt im „Heller-Areal“ in Gantschier. Was treibst Du hier?
Ich biete meinen Kunden alles an, was mit dem Service oder der Reparatur von Fahrrädern zu tun hat. Also zunächst ein klassischer Service, aber auch ein großer Service, der praktisch das Zerlegen des gesamten Fahrrades beinhaltet. Da werden alle Teile geprüft, geschmiert etc., dann ist das Fahrrad praktisch wieder wie neu. Aber auch Reparaturen kommen natürlich immer wieder vor, auch hier kümmere ich mich um alles, was ansteht, damit das Fahrrad wieder vollkommen und sicher einsatzfähig ist. Sollte es sich bei E-Bikes um Probleme mit Batterie oder Motor handeln, schicke ich die Sachen ein, ansonsten mach ich aber praktisch alles selbst. So biete ich auch Dämpfer- und Gabelservice an, tausche das Öl, die Dichtungen und stelle Zug- und Druckstufe optimal auf den Nutzer und sein Anwendungsprofil ein. Alle Fahrräder behandle ich dabei immer so, als ob es meine eigenen wären, nach meiner Erfahrung ist der Kunde dann auch zufrieden, wenn ich es bin. Dabei ist mir immer egal, um was für ein Fahrrad es sich handelt. Daily Driver, Sportgerät, Downhill-Bike, E-Bike, bei mir wird alles fachgerecht verarztet. Wenn es der Kunde wünscht, hole ich die Patienten auch ab, dann sitz ich ausnahmsweise auch mal im Auto. *schmunzelt*

Wie bist Du zu diesem Beruf gekommen?
Bei mir dreht sich schon seit über 20 Jahren alles (oder sehr, sehr viel, *schmunzelt*) ums Fahrrad. Ich war lange Jahre Downhill-Fahrer und da geht halt auch mal was kaputt. Mit der Zeit habe ich dann selber angefangen zu schrauben, das war einfach billiger als dauernd in einer Werkstatt reparieren zu lassen. Am Ende hat es mir aber derart getaugt, dass ich jetzt rund 7 Jahre als Vollzeitfahrradmechaniker tätig bin. Wobei ich heute aus Zeitgründen eher E-Bike fahre. Das hat nichts mit dem Alter zu tun, man kommt am Abend nach der Arbeit einfach noch schnell ein paar km weiter mit dem E-Bike. Gearbeitet habe ich zuerst als Angestellter, so beim Intersport und im Strom.Werk in Feldkirch, aber seit 2022 bin ich jetzt selbständig. Einige langjährige Kunden sind mir treu geblieben, so hatte ich gleich einen Warmstart und bisher keine Sekunde bereut, meine Leidenschaft nun auch als Selbständiger zu betreiben. Den Ausbildungsberuf zum Fahrradmechatroniker gibt es erst seit rund 2 Jahren, die ersten Absolventen sind noch gar nicht fertig. Bei mir war es deshalb learning by doing und Austausch mit Kollegen, so habe ich mir das beigebracht. Es hilft natürlich ungemein, wenn man selbst passionierter Radfahrer ist, wie ich das heute noch bin, auch wenn ich weniger Zeit habe. Da baut man schon eine andere Beziehung zum Fahrrad auf und weiß genau, auf was es ankommt.

Machst Du auch Upgrades und Tuning an den Rädern?
Ja, klar, also bessere Komponenten einbauen, das mache ich gerne und häufig, das bringt den Kunden dann auch wirklich was. Wobei es natürlich immer auch auf das Grundmaterial ankommt. Bei einem teuren Markenrad ist die Substanz schon sehr gut, bei billigeren Rädern merkt man schon die Defizite an der Verarbeitung oder den Komponenten. Auch einen Radnabenmotor würde ich bei uns in den Bergen jetzt nicht als Optimum empfehlen, da bringt ein Rahmenmotor schon mehr Leistung. Und Motor oder Gabel zu tauschen, das geht halt gleich ins Geld, eine neue Bremsanlage ist dagegen eher günstig. Viele wollen an der Geschwindigkeit was machen, bei uns in Österreich sind ja nicht mehr als 25 km/h für E-Bikes mit elektrischer Unterstützung erlaubt. 25 ist halt schon knapp, in USA sind es zB knapp über 30 km/h. Hier müsste man Chiptuning machen, was aber LEIDER nicht möglich ist, das wäre illegal und den Haftungsrisiken will und kann ich mich nicht aussetzen.

Dein Leben dreht sich ja nur ums Fahrrad oder hast Du noch andere Hobbies? 😊
Ja, viel Fahrrad ist immer dabei, das stimmt schon. Ein Sommer ohne Fahrrad geht für mich nicht. Aber im Winter liebe ich auch Skitouren und Snowboardfahren bei uns in den Bergen. Bei schlechtem Wetter hänge ich aber auch mal zum Zocken vor dem Computer, das gehört auch dazu. Allerdings will ich in nächster Zeit in St. Gallenkirch bauen mit meiner kleinen Familie, das wird mich dann auch jede Menge Zeit kosten, aber ich freu mich schon drauf.

Und wie geht’s weiter mit Deinem Fahrradgeschäft, hast Du Expansionspläne?
Nein, derzeit nicht, ich hab ja grad angefangen. Also Mitarbeiter kann ich mir noch gar nicht vorstellen, jetzt muss ich erst mal einen stabilen Kundenstamm aufbauen. Außerdem will ich mich nicht mit mehr Management-Aufgaben rumärgern, ich will weiterhin an Fahrrädern arbeiten, das ist das, was mir Spaß macht. Früher war es auch so, dass das Geschäft vor allem im Frühjahr und Sommer lief, aber gerade seit Corona sind die Leute immer noch mehr auf dem Rad unterwegs und die Saisonen verschwimmen. Das will ich natürlich fördern, so dass wir praktisch das ganze Jahr Fahrräder servicieren und reparieren können. Auf jeden Fall ist das Fahrrad meine Leidenschaft und das bleibt auch so, ich kann mir nichts anderes vorstellen. Vielleicht erweitere ich mal noch in Richtung Verkauf von Fahrrädern, das mache ich bisher ja nicht, aber das wäre eine Möglichkeit, sich zu verbreitern. Wobei das derzeit ja gar nicht lustig ist, denn man kriegt ja kaum neue Fahrräder her zum Verkaufen. Mir reicht schon das Gezerre um Ersatzteile, manche Teile bestelle ich heute und Liefertermin ist in 2 Jahren! Da bin ich als kleiner Betrieb natürlich etwas im Vorteil, ich kann überall bestellen, auch bei Kleinsthändlern und wenn es was gibt, dann schlag ich schnell zu.

 

Lieber Simon, vielen DANK für Deine Zeit und Deine interessanten Einblicke in Dein Geschäft. Weiterhin viel Spaß und Erfolg damit!

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