Interview mit Dietmar Lorenzin vom Kloster Maria Hilf in St. Gallenkirch

Servus Dietmar, wir treffen uns hier im lauschigen Klostergarten von Maria Hilf über St. Gallenkirch mit wunderschönem Blick auf das Dorf und die umliegenden Berge. Erste Frage, die uns auf den Nägeln brennt: Wie wird man denn Betriebsleiter eines Klosters und seit wann widmest Du Dich dieser Aufgabe?
Ja, das ist schon eine Weile her (Dietmar schmunzelt), vor rund 10 Jahren bin ich aus meiner Geschäftsführer-Stelle bei den Gargellner Bergbahnen hierher gewechselt. Ich habe natürlich einen Bezug zu diesem Kloster der Franziskaner-Missionsschwestern, da ich schon immer praktisch daneben wohne. Meine Motivation war und ist noch heute, etwas zu machen, was abseits der normalen touristischen Pfade liegt.

Wir wollen einfach ein Alternativangebot sein zum zeitgenössischen immer mehr, immer schneller und immer weiter und dabei möglichst auch noch immer billiger. Ich kann dabei niemanden einen Vorwurf machen, die Märkte sind hart, die Schulden bei der Bank müssen bedient werden, Mitarbeiter, Gebäude, alles kostet einen Haufen Geld, das verdient werden muss. Daran hängen schließlich Existenzen meist einer Familie und natürlich auch die der ganzen Mitarbeiter. Wir hier sind davon als Klosterbetrieb etwas freier, auch wenn wir natürlich auch ein begrenztes Budget haben und die wirtschaftliche Situation ebenfalls im Blick haben müssen. Aber dennoch versuche ich hier etwas zu verwirklichen, weil ich testen und vielleicht auch mir beweisen will, dass es auch anders geht.

Was bietet Ihr denn konkret an, wie kann man sich die Übernachtung als Gast in einem Kloster vorstellen?
Wir sind zunächst ein ganz normales Hotel oder eine Pension, je nachdem, wie man das sieht. Das Kloster gibt’s zwar bereits seit den 1950er-Jahren, aber der heutige Gästeanbau wurde erst 1985 fertiggestellt. Wir haben 40 Zimmer, davon viele noch als Einzelzimmer, aber auch völlig neu gestaltete und mit natürlichem Vollholz ausgestattete Doppelzimmer. Bei uns gibt’s Frühstück und auch Halb- und Vollpension, je nachdem, was sich der Gast wünscht.

Natürlich bieten wir auch Gottesdienste in unserer eigenen Kapelle an, aber ob der Gast diese besucht, ist ihm völlig freigestellt. Insgesamt gibt es eigentlich wenig Unterschiede im Vergleich zu einem kleinen Hotel in privater Hand. Allerdings findet man bei uns kein Schwimmbad oder einen Wellnessbereich, auch wagen wir den Schritt zur WLAN-freien Unterkunft. Wir wünschen uns, dass unsere Gäste die Natur im Montafon genießen und im Sommer wie im Winter draußen aktiv sind. Das hilft ihnen, zu sich selbst zu kommen und Ruhe und Entspannung zu finden. Das ist unser Ziel, wir wollen, dass unsere Gäste aus dem Alltagstrubel ausbrechen und zur Natur, dem Montafon und damit letztlich zu sich selbst finden.

Dietmar Lorenzin

Und nehmen die Gäste das an, funktioniert das Konzept?
In der Vergangenheit war es sicher einfacher. Aber heute besteht das Kloster nur noch aus vier Klosterschwestern, die alle über 70 Jahren alt sind. Darum brauchen wir auch externe Mitarbeiter, der Aufwand steigt also. Unsere Stammgäste werden langsam älter, darum ist es unsere Herausforderung, neue Gäste und gerade auch junge Leute von unserem Angebot zu überzeugen. Dafür entwickeln wir ständig neue Angebote. Insgesamt soll unsere Kloster-Pension einfach ein Rückzugsort sein. Wir hoffen, dass dies gerade in Zeiten wie diesen ein Gegenentwurf zur herkömmlichen Après-Ski-Location darstellt, sage ich mal überspitzt.

 

Was ist Dein Ziel, wo soll es hingehen mit Euren Angeboten?
Wir wollen unser Seminarangebot ausbauen, so kann man bei uns neuerdings z.B. Seminare zum Thema Resilienz buchen, um die eigenen psychischen Widerstandskräfte zu stärken oder einfach unsere beiden Seminarräume für eigene Veranstaltungen nutzen. Dabei bieten wir vielfältige Möglichkeiten an, wir stellen das Naturerlebnis ins Zentrum, bieten Waldbaden und Kräuterspaziergänge an, wir machen auch Glaskunst mit einer Glaskünstlerin. Das alles hat immer das Ziel, die Menschen zu sich selbst zu bringen, dass sie sich beobachten, wie sie welche Aktivität verändert. Auf unserer Homepage www.mariahilf-montafon.at beschreiben wir unser Angebot ausführlich. Eines unserer Feedbacks lautet in etwa: Ich bin als Trauerweide hierhergekommen und als starke Buche wieder gegangen. Besser kann man nicht beschreiben, was wir unseren Gästen bieten wollen. Dabei steht es natürlich jedem völlig frei, einfach nur das Übernachtungsangebot mit der Verpflegung für seinen Wander- oder Skiurlaub zu nutzen oder auch mehr daraus zu machen. Einheimische genießen es, ihre Familienfeiern bei uns abzuhalten.

 

DANKE, lieber Dietmar, für den spannenden Einblick in Deine Tätigkeit, zu der wir Dir weiterhin viel Freude und natürlich auch Erfolg wünschen!

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