Interview mit Daniel Mangeng, Jahrgang 1976, seit 21 Jahren Senner auf der Alpe Vergalda

Lieber Daniel, wir sitzen hier in Eurer guten Stube der Alp mitten in den Bergen oberhalb von Gargellen, quasi Deine Sommerheimat. Wie lange bist Du hier schon aktiv und wie kamst Du zur Sennerei?
Naja, ich war hier schon als Schüler im Sommer zur Unterstützung des Alpvolkes tätig. Nach meiner Lehre als Maurer bin ich dann einige Jahre Bi-Senn auf der Alpe Latschätz gewesen. Heuer bin ich jetzt dann den 21. Alpsommer auf der Alpe Vergalda. Ich kenn hier wirklich jeden Fleck, für mich gehört das Alpleben einfach dazu, das ist genau das, was mir taugt. Das hat mich ja schon als Schüler fasziniert, die raue Natur, die Tiere, die Produktion von Butter und Käse und das alles sehr selbständig und allein mit den Kollegen inmitten der Berge.

 

Und was produziert ihr hier?
Also wir machen aus der Milch der Kühe Butter, Sura Kees und auch Bergkäse, also Schnittkäse. Sura Kees ist ja Magermilchkäse, weil das Fett in der Butter bleibt, die wir aus der selben Milch herstellen. Wir sennen traditionell, das können nicht mehr wirklich viele, weil es komplizierter ist als die modernere Sennerei. Das bedeutet, dass wir keine Kulturen zur Milch geben, um diese zu säuern, damit daraus Butter und Käse gemacht werden kann. Bei uns kommt die Milch in einen Zuber und über Temperatur und Zeit wird sie von selbst sauer. Den Prozess muss man genau überwachen und die Milch ständig probieren, damit es klappt. So nehmen wir immer die Tagesmilch (das ist die Milch vom Melken am Vorabend und vom Melken am Morgen, also eigentlich von 2 verschiedenen Tagen) und geben diese in Zuber, die dann nach 1-2 Tagen Säuerungsprozess weiterverarbeitet werden kann.

 

Du bist aber nicht allein für das alles zuständig, oder?
*Lacht*, nein, um Gottes willen, mir reicht die Sennerei. Es ist so, wir haben einen Hirten, der für das Vieh zuständig ist, der hat wiederum einen Helfer. Ich bin für die Produktion von Butter und Käse verantwortlich und habe auch dazu einen Helfer. Am Ende sind wir also 4 Personen, welche die Alp bewirtschaften.

 

Wie sieht denn ein Tag auf der Alp für Euch aus? 😉
Das läuft jeden Tag gleich ab, es gibt ja keinen Sonn- und Feiertag, die Kühe geben jeden Tag Milch, die verarbeitet werden muss. Um 4 Uhr stehen wir auf. Bei uns sind die Kühe in der Nacht draußen, das ist nicht auf jeder Alp so, aber bei uns schon. Die Hirten holen also die Kühe in den Stall, damit wir sie melken können. Ich bereite parallel die Butter- und Käseherstellung vor, heize also vor allem unter dem Kessel an. Irgendwann frühstücken wir dann mal dazwischen. Die Milch für die Butter kommt ins Rührfass, parallel schaue ich aber auch auf den Käse, wie der sich entwickelt. Je nach Reifegrad arbeite ich zuerst mit der Butter oder dem Käse weiter. Die Butter wird dann geknetet und in Holzmodel zu 1/4 kg oder 1 kg-Stücken geformt. Der Käse wird aus dem Kessel gefischt und in die runden Formen gepresst, dann hat er die typische Form des Sura Kees. Wenn das alles durch ist, muss noch geputzt werden, normal schaffen wir das so bis 10:00, 10:30. Denn um 11:00 kommen dann die ersten Tagesgäste. Die bewirten wir dann mit Käse- und Speckbrot, also einer Älplerjause, es gibt aber auch Kuchen und Apfelstrudel und natürlich alle Arten von Getränken, von der Buttermilch bis zum Schnaps. Am Nachmittag wird’s dann erwas ruhiger, aber dann kommen mal die Bauern oder so Typen wie Du, die ein Interview machen wollen *grinst*. Um 17.00 kommen dann die Kühe wieder in den Stall und müssen gemolken werden. Nach dem Aufräumen und dem Abendessen sitzen wir meist noch etwas zusammen, trinken einen Absacker und erzählen Geschichten, aber zwischen 21:00 und 22:00 gehen wir schon ins Bett. Die Nacht ist ja nicht so lang.

 

Und was machst Du, wenn Du nicht auf der Alp sein kannst?
Wir sind so von Mitte Juni bist Anfang September auf der Alp. Im Winter habe ich früher dann am Lift, also bei einer Bergbahn, gearbeitet, seit rund 10 Jahren bin ich aber bei einem Ofenbauer tätig, den ich dann unterstütze.

 

Wie viel Tiere betreut Ihr hier auf der Alpe Vergalda?
Heuer sind es 43 Stück Vieh, meist Montafoner Braunvieh. Früher waren es eher mehr, auch mal bis zu 70, die Tendenz ist leider rückläufig. Dafür hat man früher auch noch Weiderechte gebraucht, wenn man Kühe auf die Alp schicken wollte, heute nimmt man auch Tiere, wenn der Landwirt keine Weiderechte hat. Darum wird ja die Sömmerung von den Lanwirten bezahlt, also das Geld dafür, dass wir die Tiere über den Sommer betreuen. Ach so, ja, Schweine haben wir auch. Unsere 16 Alpschweine werden mit altem Brot, Buttermilch und auch der Schotta (=Molke) gefüttert, das ist das, was übrig bleibt nach dem die Butter und der Sura Kees aus der Milch gewonnen wurde.

 

Und wie funktioniert das auf der Alp mit den verschiedenen Landwirten, die hierher Tiere bringen und die Ihr melkt und Butter und Käse herstellt?
Wir sind eine Alpgenossenschaft und diese hat einen Alpmeister, das ist quasi mein Chef. Wir kriegen einen Tagelohn von der Genossenschaft für unsere Arbeit. Die gesamte Milch, welche die Kühe eines Bauern produzieren, schreiben wir jeden Tag genau auf. Am Ende der Saison wird dann abgerechnet. Die gesamte Milchmenge hat ja dann eine gewisse Menge Butter und Käse ergeben. Das Verhältnis wird auf die Milch der einzelnen Bauern umgelegt und dafür erhalten sie die Erlöse aus dem Verkauf der Produkte. Viele Landwirte holen natürlich ihre Butter und ihren Käste auch schon während der Alpzeit ab und vermarkten diesen selber, dieser Teil wird dann bei der Abrechnung natürlich abgezogen. So ist es am Schluss wie ein großer Ausgleich, die einen zahlen noch ein, weil sie mehr Produkte erhalten haben, die anderen erhalten Geld raus.

 

DANKE, lieber Daniel, für den interessanten Einblick in die Alpwirtschaft. Wir wünschen Dir und Deinen Kollegen noch viele gute Sommer auf der Alp und können nur jedem raten, mal bei Euch oder einer anderen Alpe im Montafon vorbeizuschauen und Käse und Butter da zu essen und mitzunehmen, wo sie produziert werden.